Hallo Leute,

der sechste Tag meiner KlimaTour durch NRW stand ganz im Zeichen der öffentlichen Mobilität auf dem Land. Ein Stück weit fühlte ich mich an meine Kindheit erinnert. Wer wie ich auf dem Land großgeworden ist, der kennt das: Du hast kein Auto, die nächste Stadt ist meilenweit entfernt und der Bus kommt nur ein paar Mal am Tag – wenn überhaupt einer fährt. Wer keinen Motorroller oder Freunde mit Auto hat, der kommt aus seinem Dorf nicht raus. Daher finde ich es – gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels – wichtig und gut, dass auch dort neue Verkehrskonzepte und E-Mobilität Thema sind. In Hilchenbach-Grund habe ich mit dem Dorfauto schon ein tolles Konzept kennengelernt. Aber auch im Kreis Coesfeld findet ein Umdenken statt. Dort machen eine Software für kürzere Fahrstrecken der Schulbusse und eine flächendeckende E-Ladeinfrastruktur einen starken Anfang.

Die Strecke:
Los ging mein Tag in Olfen. Die kleine Gemeinde im Kreis Coesfeld hat sich ein ganz besonderes System für ihren Schulbus überlegt. Die Idee ist so simpel wie genial: Beim Einsteigen zeigen die Schüler dem Busfahrer spezielle Schülerausweise. Nachdem der Fahrer die personalisierten Olfen-Karten gescannt hat, berechnet eine Software in Echtzeit, welcher Weg zu den Zielhaltestellen der kürzeste ist. Mit jedem neuen Fahrgast wird die Route optimiert, um möglichst viel Strecke und damit Zeit und CO2 einzusparen. Das System ist sozusagen eine Kombination aus Navi und Adressverzeichnis der Kinder. Dadurch kann die Fahrstrecke der Olfener Schulbusse um rund 40 Prozent reduziert werden. Das Projekt zeigt so, dass oftmals bereits eine kleine Investition reicht, um Großes zu bewirken. Wirklich toll!

Der bedarfsorientierte Schülerverkehr eignet sich in erster Linie für ländliche Gebiete und nur bedingt für Ballungsräume. Die Gemeinde Olfen hat aber mit dem Projekt etwas gefunden, das genau auf die Bedürfnisse ihrer Bewohner passt. Auch das ist wichtig, wenn der Klimaschutz funktionieren soll – bedarfsorientiert eben!

Die Schüler, mit denen ich während der Busfahrt und Zeit vor Ort gesprochen habe, sind von der Idee genauso begeistert wie ich, denn ein kürzerer Heimweg bedeutet auch: Mehr Zeit zum Spielen! Im Austausch mit den Schülern hat mich außerdem beeindruckt, wie selbstverständlich es für sie ist, sich für den Klimaschutz zu engagieren. Da geht es nicht um die Frage „Ob“, sondern nur noch um das „Wie“. Und noch etwas anderes hat mir das Projekt erneut vor Augen geführt: Auch ein Einzelner kann etwas bewirken. Die Idee stammt nämlich von einem der Väter der Schüler, er hat den Stein ins Rollen gebracht. Es hat mir unheimlich viel Spaß gemacht, die Energie zu spüren und mitzunehmen.

Im Anschluss ging es nach Lüdinghausen zu Gesprächen mit Landrat Dr. Schulze Pellengahr und weiteren engagierten Bürgern aus der Region. Treffpunkt: Die Burg Vischering – ein beliebtes Ausflugsziel der Region und somit der passende Standort, um das Projekt „eCOEmobil“ zu unterstützen. In den elf kreisangehörigen Städten und Gemeinden gibt es bereits 19 Ladesäulen an öffentlich zugänglichen Plätzen. Seit August 2016 wird somit das umweltfreundliche Tanken im Kreis Coesfeld leicht gemacht! Und es gibt weitere Unterstützung: An einer privat finanzierten Säule habe ich mein E-Auto bei einem kurzen Zwischenstopp aufgeladen. Ich war tatsächlich der erste Kunde, der von dieser erst kürzlich installierten Ladestation profitiert hat. Gerne mehr davon.

Jedenfalls können durch das Projekt Einwohner und Besucher der Kommune die Nutzung ihres E-Autos unkompliziert in ihren Alltag integrieren. Außerdem erhöht eine gute Ladeinfrastruktur das Interesse an E-Autos. Das zeigte sich auch bei dem Treffen an der Burg Vischering: Viele reisten wie ich mit einem E-Fahrzeug an. Dadurch bot sich mir an diesem geschichtsträchtigen Ort ein faszinierendes Bild: Wo früher Pferdekutschen standen, parkten jetzt E-Autos vor der Kulisse der 500 Jahre alten Burg. Ein Symbol dafür, wie Altes und Neues in friedlicher Koexistenz bestehen können. Auch im Inneren der Burg konnte ich mich hiervon überzeugen: Das Museum punktet mit neuester Technik und vielen digitalen Elementen. So macht das Eintauchen in die Geschichte noch mehr Spaß!

Die schönste Einfahrt:Meine Einfahrt auf den Schlossplatz. Da mein E-Auto keine lästigen Motorgeräusche verursacht und dadurch nahezu lautlos fährt, störte sich niemand daran. Mit einem „normalen“ Auto hätte das vielleicht anders ausgesehen. Also, hätte es sich wohl anders angehört …

Begegnungen des Tages:
Bei der Busfahrt mit den Schülern hat mich die Energie der Kinder umgehauen und meine Reserven für das KlimaTour-Finale voll aufgeladen. Die kleinen Klimaschützer sind mit Begeisterung und viel Herz dabei und sehen das Thema erfrischend einfach: Wir müssen jetzt etwas tun, sonst ist es irgendwann zu spät. Ich glaube, es ist manchmal besser „jung-naiv“ zu denken als zu „erwachsen-kompliziert“.

Merksatz des Tages:
„Man muss das Rad nicht neu erfinden“ – denn oftmals reicht es schon, kleine Dinge zu ändern, um Großes zu bewirken. Beide Projekte, die ich heute kennenlernen durfte, haben das für mich deutlich unter Beweis gestellt.

Eingespartes CO2:
Heute habe ich mich circa 75 Kilometer mit Elektroantrieb fortbewegt und konnte dadurch 19,4 Kilogramm CO2 einsparen, die ein normales Auto ausgestoßen hätte. Zum Vergleich: Diese Menge entspricht in etwa dem Volumen von fast 4.000 Ballons. Da habe ich wieder ganz schön viel dreckige Luft vermieden!

Morgen wird es dann wieder sportlich: Mit dem E-Bike besuche ich Stationen der kommunalen Fahrradroute Dortmund. Startpunkt ist die Westfalenhalle, dort treffe ich Vertreter des ADFC Dortmund, die mich auf meiner Tour begleiten. Drückt mir die Daumen, dass die Sonne scheint! Im Anschluss besuche ich dann die „Fair Friends“ – eine Messe für nachhaltige Lebensstile, fairen Handel und gesellschaftliche Verantwortung. Ich bin gespannt, welche Inspirationen für den Klimaschutz mich dort erwarten!

Euer GreenRider