Hallo Leute,

der fünfte Tag meiner KlimaTour hat mir auf eindrucksvolle Weise gezeigt, in welchen unterschiedlichen Bereichen sich E-Antriebe durchsetzen können. Man hört ja immer wieder Bedenken, wenn es ums Thema E-Mobilität geht. Aber alle, mit denen ich auf meiner Tour darüber gesprochen habe, waren davon begeistert und vor allem überzeugt. Sie haben nämlich erkannt, dass elektrische Antriebe, saubere Energie und ressourcensparender Verkehr erstrebenswert sind und uns voranbringen. E-Mobilität bietet Vorteile für Privatfahrer wie mich, aber auch für Unternehmen und sogar für ganze Dorfgemeinschaften. Drei besondere Beispiele dafür durfte ich am fünften Tag kennenlernen:

Die Strecke:
Die erste Begegnung führte mich nach Bochum. Hier, mitten im Pott, betreibt Markus Wahl das Taxiunternehmen Bednarz, genauer gesagt „Elektro Taxi Bednarz“. Vier seiner zwölf Taxis hat der Unternehmer durch Elektroautos ersetzt. Erst hatte er Bedenken bezüglich der Umstellung, erzählt er mir bei meinem Besuch. Seine Taxiauslastung sei mit langen Fahrten mit bis zu 400 Kilometern nicht geeignet für E-Autos. In Berlin oder Köln wäre das vielleicht noch einfacher, aber im Ruhrgebiet? Er hat es trotzdem gewagt und bereut es kein Stück. Im Gegenteil. Seitdem er erkannt hat, welche Vorteile die Elektroantriebe seinem Betrieb bringen, ist er nur noch begeistert.

Jedes E-Auto spart ein Drittel der Kosten im Vergleich zu einem Dieselfahrzeug ein. Durch eine kluge Logistik ist auch das Aufladen der Fahrzeuge, die immerhin eine Akku-Reichweite von bis zu 200 Kilometern haben, auch kein Problem. Abgesehen davon, dass die E-Taxis die Umwelt und den Geldbeutel schonen, sind auch die Mitarbeiter von ihnen überzeugt. Die Fahrer wollen nämlich nicht mehr den neuesten Mercedes, sie wollen ein E-Auto – das mit der Turbo-Beschleunigung und dem leisen Motor. Hier wird wieder deutlich, wie wichtig auch der Spaßfaktor bei der ganzen Elektro-Geschichte ist. Herr Wahl hat selbst nicht mit diesem durchschlagenden Erfolg gerechnet. Fazit: E-Autos sind auch als Arbeitsplatz für Berufsfahrer eine echte Alternative. Es ist günstiger, besser fürs Klima und oben drauf Motivation für die Mitarbeiter.

Ob das die Bochumer auch so sehen, habe ich dann direkt mal „under cover“ abgefragt. Als Taxifahrer in einem Bednarz-Taxi habe ich ein paar Fahrgäste herumkutschiert und ihr Klimawissen nach dem Beispiel des Dunkle-Seite-Portals der KlimaExpo.NRW abgefragt. Dass es sich um ein E-Auto handelt, ist ihnen gar nicht aufgefallen. Lediglich ein zehnjähriger Junge sagte plötzlich: „Guck mal, ein E-Auto!“ Die jüngere Generation hat offenbar ein Gespür dafür. Die restlichen Fahrgäste haben erst nach meinem Hinweis bemerkt, wie leise das Auto fährt. Mir zeigte dieses Experiment: Elektroautos sind gar nicht so exotisch, wie man sie erwartet. Ich glaube, bei vielen fehlt nur noch der letzte Impuls, sich selbst ans Steuer zu setzen.

Einen entscheidenden Impuls zum (Mit)machen geben die Entwickler des „SolarCar“, dem zweiten Projekt auf meinem Tagesprogramm. Die lustige Truppe Studierender der Hochschule Bochum entwickelt und baut Autos, die nur mit Solarenergie betrieben werden. Bei meinem Besuch durfte ich den thyssenkrupp blue.cruiser, den inzwischen siebten Prototypen der Bochumer, kennenlernen. Mein erster Eindruck, als ich das Gefährt sah: Das kommt direkt aus einem James-Bond-Film. Schnittige Silhouette, futuristischer Look – und überall Solarzellen.  Im vergangenen Jahr haben die Bochumer damit den zweiten Platz der „World Solar Challenge 2017“ belegt – ein 3.000-Kilometer langes Solarcar-Rennen einmal mitten durch Australien. Eines der Vorgängermodelle schaffte es mit einer Weltumrundung ins Guinessbuch der Rekorde. Das Team ist sichtlich stolz auf das Solarauto. Und ich bin begeistert von ihrer Mentalität. Denn die lautet – ihr ahnt es: Lass einfach mal machen. Entsprechend sind wir direkt nach meiner Ankunft eine Runde gefahren.

Ich durfte mit dem SolarCar über das Hochschulgelände cruisen. Rund 500 Kilometer schafft die vollgeladene Batterie. Meine komplette Fahrt inklusive Ehrenrunde hat die Sonne, die am Vormittag auf das Autodach schien, direkt kompensiert. Irre! Was mich aber noch mehr beeindruckte: Hier waren echt innovative Ingenieure am Werk, die aus eigener Initiative heraus und aus der Marke Eigenbau, Daniel-Düsentrieb-Style, das konsequenteste E-Auto gebaut haben, dass ich auf der KlimaTour bislang erlebt habe. Denn das SolarCar ist nicht nur aus ökologischen Materialien gebaut (ein Beispiel: Die Sitze sind aus Ananasleder!), sondern es tankt direkt an der klimafreundlichsten Quelle, nämlich Sonnenstrahlen. Mittlerweile haben über 600 Studierende an dem Projekt teilgenommen. Das Argument der Automobilindustrie, es fehlten Fachkräfte für den Ausbau der E-Mobilität, kann ich jetzt nicht mehr nachvollziehen. Denn zumindest in Bochum gibt es sie schon, die jungen Spezialisten, die Autoschrauber der Zukunft, die mit dem SolarCar – das übrigens eine vollwertige Straßenzulassung hat – die beste Bewerbung in der Garage stehen haben.

Und um auf den Spaßfaktor zurückzukommen: Im SolarCar wurde auf Kosten der Energieersparnis auf vieles verzichtet, zum Beispiel auf die Klimaanlage (die armen Rennfahrer in Australien!). Doch eins durfte nicht fehlen: das Radio. Das war mir besonders sympathisch.

Begegnung des Tages:
Mit jedem weiteren Tag auf KlimaTour wird mir bewusster, wie entscheidend es ist, dass es Einen geben muss, der eine Idee hat und sagt: Lass uns das machen. Einen Impulsgeber. Diese Impulse habe ich ganz stark beim Energieverein „Aus gutem Grund e. V.“ in Hilchenbach-Grund erlebt. Der Verein hat für das 350-Seelen-Dorf ein Dorf-E-Auto angeschafft. Die Menschen dort besitzen aufgrund der ländlichen Lage alle ein Auto, manche sogar einen Zweitwagen. Das braucht es doch nicht, dachten sich die „Gründerväter“ des Vereins, und brachten das gemeinschaftlich genutzte E-Auto im Rahmen der Initiative „Dorf ist Energie(klug)“ auf den Weg, um die klimafreundliche Mobilität der Dorfgemeinschaft zu unterstützen. Und tatsächlich: Das Dorf-E-Auto hat die Dörfler regelrecht „elektrifiziert“. Sie gehen jetzt modernere Wege, fahren auch Segway und E-Bike. Und das E-Carsharing wird sehr gut angenommen. Mitten im Dorf steht eine moderne E-Tankstelle, an der sich alle bedienen können. Die Leute sprechen über Mobilität und viele der Einwohner denken über den Umstieg auf E-Mobile nach. Was zeigt uns das mal wieder? Es ist wichtig, dass es jemanden gibt, der vorangeht, der seine Idee umsetzt. Nicht reden, einfach machen. Die Initiative in Grund hat zu einer echten Bewusstseinsänderung geführt. Im Endeffekt haben da eine Hand voll Leute eine ganze Gemeinde zum Umdenken bewegt. Sie verändern damit zwar noch nicht die Welt, aber zumindest ihr Dorf und damit ihre Welt. Diese Impulsgeber haben mich tief beeindruckt.

Der schönste Kilometer:
Der letzte Kilometer nach Hilchenbach-Grund führte durch einen dichten, grünen Wald. Hier zeigte sich auf wunderschöne Weise, was wir durch alle Klimaschutzbemühungen letztlich schützen wollen: diese einzigartige Natur.

Merksatz des Tages:
Auch, wenn Du als Klimaschutz-Pionier anfangs vielleicht belächelt wirst, lohnt es sich, weiterzumachen. Ist der Funke einmal übergesprungen, wendet sich das Blatt ganz schnell und alle schauen zu Dir auf. Dann geht es voran und es finden sich Nachahmer, die den Klimaschutz mit ankurbeln. Und das ist es doch wert!

Eingespartes CO2:
Allein das Dorf Grund spart mit dem Dorfauto 5.000 Kilometer Fahrtwege im Jahr. Das entspricht bei durchschnittlichem Spritverbrauch etwa 820 Kilogramm CO2. Damit könnte man 167.000 Luftballons füllen. Wow, eine ganze Menge schmutzige Luft. Meine Tagesstrecke von 120 Kilometer entspricht etwa 19,4 Kilogramm CO2, also etwa 3.957 Ballons. Auch ein ganz ordentlicher Strauß, den ich da eingespart habe.

So, heute lege ich mal eine kleine Pause ein, um die unzähligen Eindrücke zu verarbeiten, die ich bisher gesammelt habe. Am Freitag bin ich dann aber wieder für den Klimaschutz unterwegs und zeige euch, wie klimafreundliche Mobilität auf dem Land noch aussehen kann. Ich bin echt gespannt, ob das Dorfauto noch getoppt werden kann.

Euer GreenRider