Hallo Leute,

der vierte Tag der KlimaTour knüpft nahtlos an die Erlebnisse des vorherigen Tages an. Wieder habe ich sehr engagierte Menschen getroffen, die sich stark gemacht haben für ihre Projekte, und wieder bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass es sich lohnt, für ihre Umsetzung zu kämpfen. Besonders Thomas Schulz von den Stadtwerken Solingen und Lutz Eßrich vom Wuppertalbewegung e. V. haben jeweils auf ihre Weise gezeigt, wie sich Einsatz im Klimaschutz für uns alle – und auch für sie selbst – auszahlt.

Die Strecke:
Am Vormittag habe ich mir die neuen Batterie-Oberleitungs-Busse, kurz BOB, der Stadtwerke Solingen angesehen. Diese Busse sammeln Strom aus dem Oberleitungsnetz in Batterien, mit denen sie auch ohne Oberleitung weiterfahren können. Die Idee dazu hatten kluge Köpfe der Bergischen Universität Wuppertal und der Initiative „Neue Effizienz“. Die Stadtwerke mussten nur noch die Busse bestellen und loslegen. Und das haben sie gemacht, wie es echte Vorreiter eben tun. Vier E-Busse stehen nun in Solingen, 16 weitere hat die Stadt bereits bestellt. Also fahren demnächst 20 elektrisch betriebene Busse durch Solingen.

Mein Besuch in Solingen hat mir wieder zwei Dinge verdeutlicht: E-Mobilität macht Spaß und beruhigt das Gewissen. Ein Beispiel: Ich durfte einen BOB über den Betriebshof fahren und konnte mit dem 18-Tonner guten Gewissens noch eine Ehrenrunde drehen, da er mit Strom fährt. Das hat mir riesigen Spaß gemacht. Thomas Schulz, der uns den neuen Bus vorführte, hatte ebenfalls sichtlich Spaß an dem neuen Elektro-System. Schulz ist seit 25 Jahren Busfahrer und richtig stolz auf „seinen“ BOB vom Typ Solaris Trollino, der so leise fährt, dass man während der Fahrt nur noch die Klimaanlage summen hört. Schulz ist regelrecht Feuer und Flamme, oder besser gesagt „Volt und Ampere“ für das BOB-Projekt. E-Mobilität kann nicht nur dem Verbraucher Spaß machen, sondern auch dem Dienstleister.

Auf unserer anschließenden Testfahrt zum Solinger Hauptbahnhof fiel mir noch etwas Entscheidendes auf: Die Leute merken gar nicht, dass sie in einen E-Bus einsteigen. Es ist für sie ein normaler Linienbus, sie nutzen ihn ganz selbstverständlich. Die E-Mobilität kann also selbstverständlich sein, nein – sie ist es bereits. Nicht nur für Busfahrer Schulz, sondern auch für die Bürger. Das müssen sie nur erkennen.

Übrigens sollen bald auch Ladesäulen für E-Autos mit dem überschüssigen Strom aus den Bussen versorgt werden. So entsteht aus einem Projekt direkt die nächste Idee. Seht ihr, es muss nur einer vorgehen, damit alle mitgehen können.

Eine ähnliche Vorreiterarbeit leistete Lutz Eßrich. Er ist stellvertretender Vorsitzender beim Wuppertalbewegung e. V. und war als „Trassenscout“ maßgeblich am Ausbau der Nordbahntrasse in Wuppertal beteiligt. Wir sind gemeinsam 14 Kilometer auf dem ausgebauten Rad- und Gehweg gefahren und Herr Eßrich zeige mir, was der Ausbau zweier ehemaliger Bahnlinien zu bieten hat: Kunst, Kultur, Cafés, Begegnungsstätten, Sport- und Freizeitangebote. Eine superschöne Route mit so vielen Möglichkeiten. Wow! Täglich nutzen 5.000 Leute die Trasse zur klimaneutralen Fortbewegung. Auf der ganzen Strecke ist buchstäblich Bewegung. Das durfte ich dann auch im Parkours Plateau am eigenen Leibe erfahren. In einem Wald aus Stangen und Mauern direkt an der Trasse habe ich zusammen mit einem Profi-Parkour-Läufer an meinen Skills gefeilt. Ein schöner, wenn auch anstrengender Abschluss für einen spannenden Tour-Tag.

Der schönste Kilometer:
Die Radtour mit Herrn Eßrich und weiteren Vereinsmitgliedern auf der Nordbahntrasse. Der Wuppertalbewegung e. V. hat hier echt Bewegung in die Stadt gebracht und die Bürger atmen merklich auf. Das ist wirklich schön zu sehen.

Begegnung des Tages:
Als beeindruckenden Macher habe ich Lutz Eßrich vom Wuppertalbewegung e. V. erlebt. Er hat sein Klimaschutzprojekt durchgesetzt, und das gegen alle Hürden. Während unserer Fahrt in der Schwebebahn erzählte er mir davon und verglich die Entwicklung der Nordbahntrasse mit der der Schwebebahn.

Vor über 100 Jahren hat es nur zwei Jahre gedauert, die Schwebebahn zu planen und umzusetzen. Und das auch noch über dem Flussbett der Wupper. Heute aber, mit all der Bürokratie und dem vielen Gerede, hat die Planung der Nordbahntrasse vier Jahre gedauert, und ihre Umsetzung noch mal vier Jahre. Da stimmt doch etwas nicht, dachte ich mir. Heutzutage quälen sich die Menschen jahrelang mit Diskussionen und Interessenkonflikten herum, um überhaupt etwas in der innerstädtischen Mobilität bewegen zu können. Anstatt es einfach zu machen. Doch Eßrich ist ein Kämpfer und hat es mit vielen weiteren Ehrenamtlichen letztlich geschafft, die Nordbahntrasse zu verwirklichen.

Ernüchterung des Tages:
Eine Aussage von Eßrich hat mich nachdenklich gestimmt: Hätte er vorher gewusst, mit welchen Hürden er bei der Umsetzung der Nordbahntrasse zu kämpfen hat, hätte er es gar nicht erst versucht. Ich bin aber sehr froh – und mit mir bestimmt alle Wuppertaler –, dass er es trotzdem gewagt hat und am Ende so eine tolle Radroute daraus geworden ist. Hut ab für dieses Engagement!

Merksatz des Tages:
Wer im Klimaschutz etwas bewegen möchte, darf sich nicht unterkriegen lassen – auch wenn es mal Hürden zu überwinden gibt. Das hat mir der Wuppertalbewegung e. V., aber auch die engagierten Menschen der Solinger Stadtwerke und der Universität Wuppertal gezeigt. Wer etwas bewegen will, muss weitermachen und seine Ideen verwirklichen. Insofern greift mein gestriges Motto auch heute wieder: Lasst uns vorangehen und machen, dann klappt der Rest fast von allein.

Eingespartes CO2:
Meine heutige Fahrtstrecke war mit 75 Kilometer etwas kürzer, aber trotzdem habe ich noch 12 Kilogramm CO2 eingespart. Das entspricht immerhin der Menge Kohlendioxid, die ich an einem halben Tag in meinem Alltag verursache. Das stimmt mich positiv, denn wie gesagt: das Gewissen fährt immer mit.

So ihr Lieben, wisst ihr was? Gestern war Bergfest, bereits die Hälfte der KlimaTour ist schon um. Die gute Nachricht: Es kommen noch vier weitere Tage. Heute geht es nach Bochum und Hilchenbach. Freut euch mit mir auf ein E-Auto, dass im Guinessbuch der Rekorde steht und lustige Begegnungen im Elektrotaxi.

Euer GreenRider