Hallo Leute,

wenn ich den dritten Tag meiner KlimaTour unter ein Motto stellen müsste, dann wäre das: „endlich machen!“ Alle reden darüber, mehr für den Klimaschutz zu tun, aber so richtig aktiv werden nur wenige – oder etwa doch mehr als gedacht? Zwei Projekte überzeugten mich vom Gegenteil, als ich gestern in Aachen zu Gast war. Die Domstadt ist ein regelrechter Hotspot der klimafreundlichen Mobilität, denn hier bewegen die Menschen bereits etwas, das greifbar und einsetzbar ist. Hier wird nicht geredet, sondern gemacht. In der Mobilitätsstadt gibt es gleich mehrere Klimaschutz-Projekte für zukunftsweisende Entwicklungen mit Elektroantrieb, sowohl auf zwei, als auch auf vier Rädern. In einer bergigen Stadt wie Aachen ist das vor allem für Radfahrer ein wichtiger Aspekt.

Die Strecke:
Während meines Besuchs in der westlichsten Großstadt Deutschlands durfte ich das neue Werk inklusive Fertigungshalle von e.GO Mobile anschauen. Die ursprüngliche Idee des Forschungsprojekts von Studierenden der RWTH Aachen: endlich E-Autos auf die Straße bringen. Und tatsächlich hat es das Team um Prof. Dr. Günther Schuh geschafft. Jetzt steht das Werk, wo das Unternehmen das neukonzipierte E-Auto e.GO Life produziert. Eine Wahnsinns-Story, die zeigt, was Enthusiasmus, Willenskraft und Pragmatismus möglich machen.

 

Bei der Werksbesichtigung waren neben dem Initiator Prof. Schuh und dem Oberbürgermeister von Aachen, Marcel Philipp, auch mehrere Mitarbeiter der ersten Stunde dabei. Die Werkstatt ist noch ganz neu, alles ist sehr sauber, es liegt echte Aufbruchsstimmung in der Luft. Das spüre ich auch im Gespräch mit den Mitarbeitern. Sie sind voller positiver Energie, denn hier werden ihre Autos hergestellt, die etwas im Klimaschutz bewegen. Die Leidenschaft ist in jedem Winkel der Anlage und bei den Verantwortlichen spürbar. Allen voran bei Prof. Schuh, ein super authentischer und cooler Typ! Hier wollen Menschen mit Leidenschaft etwas bewegen, und das im wahrsten Sinne.

Zu meiner großen Freude durfte ich den neuen Elektroflitzer dann auch selbst ausprobieren und eine kleine Testrunde über das Werksgelände drehen. Dabei habe ich mich auf dem Werksboden verewigt – und zwar mit einer Bremsspur auf einem Zebrastreifen. Damit habe ich die vorhandene Bremsspur von Prof. Schuh einfach mal verlängert. So haben wir uns beide auf dem Gelände verewigt.

Nach meinem Besuch bei e.GO habe ich erkannt: Die E-Mobilität ist nicht die Zukunft, sondern die Gegenwart. Sie passiert hier und jetzt. Wir müssen es nur sehen. Je länger die KlimaTour dauert, desto mehr wünsche mir, dass das jeder von euch da draußen erkennt! Die Ausrede „Ein E-Auto kann ich mir nicht leisten“ zählt nicht mehr. Diese engagierten Menschen in Aachen und ihr E-Auto belegen, dass die Mobilitätswende bereits im Gange ist und dass sie jeder mitgestalten kann. E-Mobilität ist keine Spaßbremse, sondern Antrieb, der Laune macht. Und vor allem ein gutes Gewissen. Lasst uns mit gutem Gewissen das Gaspedal treten!

Ein ebenfalls sehr gutes Beispiel lieferte mir am selben Tag ein weiteres innovatives Unternehmen – diesmal mit dem Fokus auf zwei Räder.

Die Universität in Aachen liegt auf einem Berg, nur wenige Studenten quälen sich mit dem Rad da hoch. Wer will schon nassgeschwitzt in der Vorlesung sitzen?! Einige engagierte Studenten wollten hier Abhilfe schaffen und entwickelten das Fahrradverleih-System für E-Bikes: Velocity. Jan Barenhoff kümmert sich um das Business Development bei Velocity. Er erzählte mir bei meinem Besuch, dass Velocity aus den bestehenden 25 Stationen mit 80 Rädern sukzessive 100 Stationen mit 1.000 Rädern aufbauen will. Ich drücke Jan und seinen Kollegen die Daumen. Das System kommt schließlich gut an und wächst kontinuierlich. Die hügeligen Straßen Aachens sind mit dem E-Bike eben viel besser bezwingbar, das ist auf jeden Fall ein schlagendes Argument.

Natürlich habe ich die E-Bike-Ausleihe auch selbst ausprobiert. Mit einer Velocity-Karte habe ich mich im System angemeldet und vor Ort ein Fahrrad ausgeliehen. Zusammen mit Jan bin ich bis zum Westbahnhof geradelt, habe dort das Rad wieder abgestellt, mich abgemeldet, fertig. Total easy. Velocity hat es geschafft, das E-Bike in Aachen als vollwertiges Fahrzeug zu etablieren. Der konkrete Nutzen ist unübersehbar. Ein starke Alternative, die auch mich begeistert hat.

Der schönste Kilometer:
Die zwei Kilometer lange Radtour zum Campus war – E-Bike sei Dank – total entspannt. Ohne zu schwitzen kamen wir oben an. Wenn ihr mehr zum Thema Velocity erfahren möchtet, hört mal in den Podcast rein, den ich mit Jan Barenhoff aufgenommen habe:

 

Begegnung des Tages:
Mich hat besonders Prof. Schuh vom Projekt e.GO beeindruckt. Er versprüht diese einzigartige, unkomplizierte „Hands on“-Mentalität, die es für so ein Projekt braucht. Er hat den nächsten wichtigen Schritt erkannt, ohne den die Mobilitätswende nicht weiterkommt. Solche Macher wie ihn mit großen Visionen brauchen wir. Dabei kommt er nicht mit dem erhobenen Zeigefinger an, sondern packt die Dinge einfach konsequent an, ohne sie unnötig kompliziert zu machen. Ein echter Pragmatiker, der offensichtlich großen Spaß an seinem Projekt hat. Einfach genial!

Merksatz des Tages:
„Lass‘ mal machen!“ von Prof. Schuh – ihr merkt, sein Charisma hat auf mich gewirkt.  Was er sagt, sollten wir uns alle zu Herzen nehmen: Wir haben genug geredet – jetzt lasst uns es endlich machen und den Klimaschutz voranbringen.

Eingespartes CO2:

Heute habe ich mit E-Auto und E-Bike insgesamt 120 Kilometer zurückgelegt. Also habe ich wieder einmal 19,4 Kilogramm CO2 eingespart. Damit habe ich meine persönliche Tagesbilanz von 24 Kilogramm CO2 fast wieder aufgeholt. Ich weiß, es ist ein Tropfen auf den heißen Stein, doch wenn wir nicht einfach anfangen, was zu tun, dann kommen wir nie voran.

Erreichter Status in der KlimaExpo.NRW-App:
In meiner KlimaExpo.NRW-App bin ich jetzt Lokalheld. Das bedeutet, dass ich mindestens fünf Projekte der KlimaExpo.NRW besucht habe. Das habe ich natürlich längst geschafft. In wenigen Tagen bin ich also schon Klimaretter – obwohl ich mich schon jetzt wie einer fühle.

In diesem Sinne freue ich mich schon auf die nächste Etappe meiner KlimaTour, die mich morgen ins Bergische führt. Hier werde ich das E-Bike auch gut gebrauchen können und darüber hinaus auch in ein viel größeres Fahrzeug umsteigen. Lasst euch überraschen, so wie ich mich jeden Tag aufs Neue überraschen lasse – von so vielen tollen Menschen, Ideen, Visionen und Projekten.

Euer GreenRider