Mit dem BOB (kurz für Batterie-Oberleitungs-Bus) realisieren wir einen nachhaltigen, emissionsfreien und energieeffizienten ÖPNV für Solingen. Das seit Jahrzehnten bestehende Oberleitungsnetz der Stadt wird künftig in das städtische Energieverteilnetz integriert und mit der Fähigkeit, steuerbar, bedarfsgerecht und bidirektional – also in beide Richtungen – Lasten zu verschieben zum Smart Grid oder besser gesagt: Zum Smart-Trolley-System – dem STS.

Gespeist wird das Netz aus lokal erzeugtem Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Ergänzend erfolgt die Umrüstung der Busse, die moderne Batteriespeicher erhalten, welche während der Fahrt an der Oberleitung geladen werden. Sie dienen damit nicht nur der abgasfreien Personenbeförderung mit verbesserter Reichweite, sondern fügen sich als mobile Energiespeicher in das STS ein. Dieser ganzheitliche Ansatz verbindet zahlreiche Komponenten schrittweise zu einem nachhaltigen städtischen Gesamtsystem.

Mit dem auf fünf Jahren angelegten Projekt legen wir nun den Grundstein für einen ganzheitlichen Ansatz zur Verknüpfung und Optimierung von Verkehrs- und Energiefragen, der sogenannten Sektorkopplung. Durch die Nutzung von regenerativen Energieanlagen und dem intelligenten Lade- und Energiemanagement leistet ein elektrifizierter ÖPNV somit einen wichtigen Beitrag zur Lösung der großen Herausforderungen der Verkehrs- und Energiewende auf kommunaler Ebene. Es verringert den Primärenergieverbrauch, steigert die Energieproduktivität und stellt eine sichere, saubere und bezahlbare Versorgung mit ÖPNV sicher. Mit dem BOB wollen wir die Ressourceneffizienz im Bergischen Städtedreieck überdurchschnittlich verbessern und so die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Region stärken.

Wir brauchen ein starkes, technisches Fundament

Wie man sich vorstellen kann, ist ein solches Projekt alles andere als trivial. Doch um es mit den Worten Anton Bruckners zu sagen: „Wer hohe Türme bauen will, muss lange beim Fundament verweilen.“ Gerade die technischen Fundamente gilt es aktuell zu legen. Dies betrifft in erster Linie den BOB, welcher kürzlich als Prototyp vom polnischen Hersteller Solaris an die Stadtwerke Solingen ausgeliefert wurde und kurz vor der technischen Zulassung steht. Dieser erste BOB ist unser wesentlicher Meilenstein im Projekt: Sind die ersten Testfahrten erfolgreich, folgen drei weitere BOBs. Spätestens im Herbst dieses Jahres gehen die vier Fahrzeuge in den regulären Linienbetrieb und elektrifizieren dann von Anfang an eine Dieselbuslinie.

Auch die Netzkomponenten müssen entsprechend akribisch analysiert und ertüchtigt werden. Schließlich reden wir hier von sogenannten kritischen Infrastrukturen. Dies macht z.B. auch das Thema Sicherheit besonders wichtig. Speziell geht es dabei natürlich um die „Cyber-Security“. Also die Sicherheit der Informations- und Kommunikationsschnittstellen eines solchen „intelligenten“ Systems. Überdies gibt es auch abseits der technischen Dimension genügend Herausforderungen, denen sich gerade die Solinger Partner wie die Stadtwerke oder die Netzgesellschaft stellen müssen: Alte Strukturen müssen überdacht und oft genug auch aufgebrochen, neue Wege der Organisation gefunden werden. Am Ende des Tages steht indes auch hier die Chance, durch neue Geschäftsmodelle nicht nur ein ökologisch besseres, sondern auch ein ökonomisch effizienteres System geschaffen zu haben.

Als Gemeinschaftsprojekt umgesetzt

Umgesetzt wird das Projekt von einem Konsortium aus Stadtwerken Solingen, den SWS Netze Solingen, der Stadt Solingen, der Bergischen Universität Wuppertal, der Bergischen Gesellschaft für Ressourceneffizienz (Neue Effizienz), der Wuppertaler NetSystem GmbH und der Voltabox AG aus Delbrück. Während die Konsortialführung bei den Stadtwerken Solingen liegt, hat die Neue Effizienz als regional verankerte Institution nicht nur die richtigen Partner an den sprichwörtlichen Tisch geholt, sondern auch die wichtige Rolle des Projektkoordinators übernommen. Die Wichtigkeit des Projekts wurde auch vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) sowie die Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW) anerkannt, die den BOB fördern.

Der BOB fährt in die Welt hinaus

Die Elektrifizierung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) stellt die Verkehrsbetriebe deutschlandweit vor große Herausforderungen. Neue Technologien von Elektrobussen sind verfügbar und werden in einigen Städten bereits getestet. Diese haben im Kern drei Gemeinsamkeiten: Zum einen sind sie deutlich teurer als Dieselbusse, zum anderen machen sie eine Änderung der Betriebsabläufe notwendig. Zu guter Letzt ist eine Umstellung der gesamten Flotte eines Verkehrsbetriebs mit infrastrukturellen und logistischen Problemen verbunden: Wie und wann lade ich meine Busse wieder auf? Wo soll der ganze Strom herkommen?

Durch die Kombination von bewährter Oberleitungsbus-, neuester Batterietechnologie im BOB sowie dem Laden der Batterien während der Fahrt (In-Motion-Charging) demonstrieren wir im Solinger Projekt, wie die Elektrifizierung des ÖPNV auch in anderen Kommunen gelingen kann. Denn die Oberleitung wird zur Ladeinfrastruktur und damit nur noch in sehr begrenztem Umfang notwendig. Aufwendige und damit teure Kurven und Kreuzungen können zukünftig vermieden werden. Städtebaulich sensible Stadtbereiche könnten Oberleitungsfrei bleiben.

Die Forschungsfragen des Projektes münden in einem von der Neuen Effizienz erstellten Handbuch, das die Übertragbarkeit der Projektergebnisse auf andere Kommunen ermöglichen und vereinfachen soll. Hierbei koppelt das Handbuch die technischen, wirtschaftlichen, sozialen und stadtpolitischen Ergebnisse aus allen Teilvorhaben des Projektes. Somit bietet es Orientierung und konkrete Handlungsempfehlungen für die Anwendung des BOB-Systems außerhalb Solingens.

Ein solch komplexes Projekt lässt sich leider nur schwer in wenigen Sätzen wiedergeben. Daher kontaktieren Sie mich einfach, wenn Sie mehr über dieses spannende Projekt erfahren möchten. Ich freue mich auf Ihre Fragen.

Ihr Daniel Bogatz,
Projektleiter des BOB