Liebe Leserinnen und Leser,

am 9. November machte ich mich von meiner Heimatstadt Essen im Ruhrgebiet aus auf den Weg zur Weltklimakonferenz-Stadt Bonn im Rheinland. Als Projektmanagerin der KlimaExpo.NRW hatte ich die Aufgabe, eine Tour im Rahmen der COP23-Exkursionen zu leiten, zu der die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen und das Bundesumweltministerium im Rahmen der Weltklimakonferenz eingeladen haben und die von der EnergieAgentur.NRW organisiert wurden. Die Tour umfasste drei Stationen, von denen zwei Teil unserer landesweiten Leistungsschau sind, in der wir innovative Klimaschutz-Projekte vorstellen und näher beschreiben. Eine der Stationen hatte ich vorher selbst auch noch nicht besucht und freute mich deshalb besonders auf den Tag. Am Bahnhof in Siegburg/Bonn angekommen, fiel mir sofort das internationale Flair der Gäste auf, die an diesem Tag mit mir in der Straßenbahn in Richtung UN-Campus in Bonn saßen. Dort angekommen, verstärkte sich dieser Eindruck noch mehr, als mir Ströme von Menschen entgegen kamen, die in traditioneller Tracht gekleidet waren oder sich in einer mir unverständlichen Sprache unterhielten. Mit dem Gedanken im Kopf, dass all diese Menschen sich auf irgendeine Art und Weise mit Klimawandel-Fragen in all den unterschiedlichen Teilen dieser Erde beschäftigten und alle aus diesem einen Grund hier in Bonn sind – ein Teil der Weltklimakonferenz zu sein – erreichte ich voller Spannung den Treffpunkt unserer Exkursion.

Die Teilnehmer unserer Tour trudelten nach und nach ein und man konnte sich einen guten ersten Überblick über die unterschiedlichen Herkunftsländer machen. Auf unserer Tour begleiteten uns Menschen aus Singapur, Benin, Taiwan, Japan, Polen, Italien, Australien und auch aus Deutschland. Des Weiteren war ein Team von ARTE mit an Bord, die den Ausflug nutzen wollten, um Eindrücke der Teilnehmer zur Exkursion und zur COP23 einzufangen.

Unsere Tour mit dem Titel „Wohnen und produzieren – aber zukunftsgerecht!“ führte uns als erstes zur Innovation City Ruhr (ICR) nach Bottrop, wo gebündelt mehr als 300 einzelne Klimaschutz-Projekte umgesetzt werden, die alle ein gemeinsames Ziel haben: Die CO2-Emissionen der Stadt sollen bis zum Jahr 2020 um die Hälfte zum Bezugsjahr 2010 reduziert werden. In Bottrop empfing uns Rüdiger Schumann, Leiter Marketing und Kommunikation der Innovation City Management GmbH, im Zentrum für Innovation und Beratung der ICR. Unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten einen umfassenden Vortrag zu den Entwicklungen der ICR und den dort umgesetzten Projekten, sowie dem auf das Projekt folgenden Roll-Out der ICR auf weitere Städte im Ruhrgebiet. Im Anschluss an den Vortrag nutzten alle die eingeplante Viertelstunde für Fragen intensiv und erkundigten sich auch auf dem Weg zur zweiten Station interessiert nach dem zuvor vorgestellten Konzept.

Die zweite Station der Exkursion war so gewählt, dass das Konzept der ICR und der zugehörige Roll-Out direkt besichtigt werden konnte: Das Eltingviertel in Essen ist das erste Projekt aus dem Roll-Out und ist somit beispielhaft dafür, was es bedeutet, ein Viertel nach ICR-Konzept „umzukrempeln“. In dem Viertel sollen zum einen die Wohngebäude energetisch saniert und die Energieversorgung klimafreundlicher gestaltet werden. Zum anderen werden die freien Plätze entweder freundlicher gestaltet oder umgenutzt. Die Autos sollen aus den Innenhöfen verschwinden und neue Spiel- und Freizeitplätze entstehen. Es gibt aber auch Ideen, neue Gebäude auf einigen Plätzen zu errichten und an anderer Stelle Grünflächen entstehen zu lassen. Ein bislang unterirdisch geführter Fluss soll außerdem wieder an die Oberfläche gebracht werden. Da einige Häuser der Immobiliengesellschaft VONOVIA gehören, kann in einem Teil der Gebäude die Sanierungsmaßnahmen gebündelt umgesetzt werden. Aber auch private Hauseigentümer sollen durch Methoden, die die ICR bereits erprobt hat, dazu angeregt werden, ihre Gebäude zu sanieren. Ein Teil der Wohngebäude im Viertel ist bereits saniert und ein Innenhof wird derzeit umgebaut und neu strukturiert. Auf der Exkursion haben uns Vertreter der VONOVIA durch das Viertel geführt und uns die Vorhaben im Detail erläutert. Im Anschluss an die Führung konnten wir uns an einem vielfältigen Buffet aus kleinen türkischen Teigspeisen im neuen Café Zwingli Nr. 1 stärken. Das Café sowie eine benachbarte Arztpraxis wurden auch im Zuge der Entwicklung des Eltingviertels neu eröffnet.

Vom Eltingviertel aus haben wir uns auf den Weg zum Aluminiumhersteller TRIMET in den Essener Stadtteil Bergeborbeck gemacht. Bei dem Unternehmen handelt es sich um ein über 30 Jahre altes Unternehmen, das an insgesamt zehn Standorten weltweit Leichtmetallprodukte aus Aluminium entwickelt, recycelt, gießt und vertreibt. Im Rahmen unserer Exkursion haben wir den Hauptsitz der Firma besucht, die ein innovatives Verfahren zur virtuellen Stromspeicherung entwickelt hat, welches den Teilnehmern der Exkursion erläutert werden sollte. Zunächst wurde uns ein Überblick über die Geschichte und die Tätigkeit von TRIMET gegeben, bevor  Roman Düssel uns die neue virtuelle Batterie näher erklärt hat. Roman Düssel ist Leiter der technischen Produktion und hat zusammen mit Projektpartnern eine Möglichkeit entwickelt, den Prozess der Aluminium-Elektrolyse, der bislang stets mit einem konstanten Bezug von Strom durchgeführt werden musste, zu flexibilisieren. Im Prinzip hat TRIMET damit einen Wärmetauscher entwickelt, der die notwendige Prozesstemperatur konstant hält, ohne dass der Strombezug stetig sein muss.

Im Anschluss an die Vorträge teilten wir uns in zwei Gruppen auf und erhielten TRIMET-Mäntel und –Helme. Unter weiteren Erklärungen und Erläuterungen zum Aluminium-Elektrolyse-Prozess und der neuen Entwicklung führten uns Mitarbeiter durch das Werk und so konnten wir uns einen eigenen Eindruck von den Elektrolyseöfen machen. Bevor wir das Werk betreten haben, rieten TRIMET Mitarbeiter uns, unsere Kreditkarten und mechanischen Uhren im Bus zu lassen. Außerdem sollten Schwangere und Träger von Herzschrittmachern oder Insulinpumpen lieber auf die Tour durch das Werk verzichten. Unser Guide demonstrierte uns zwischen den Elektrolyse-Linien dann auch den Grund für diesen Ratschlag: An den Öfen herrscht eine magnetische Kraft, die Büroklammern von allein zum Stehen und sogar Tanzen bringt. Ein Metallstift, den Herr Dr. Joachim Heil, der eine unserer Gruppen leitete, mitgebracht hatte und der an einem Faden aufgehängt war, stellte sich stets aufrecht zum Boden in der Luft auf – nicht, wie zu erwarten, waagerecht. Versuchte man den Stift in die Waagerechte zu drehen, musste zunächst etwas Kraft aufgewendet werden, nur damit der Stift beim Loslassen wieder in die senkrechte Position zurück schnellen konnte. Das durch den Elektrolyse-Prozess an den Öfen herrschende Magnetfeld ist dermaßen stark, dass es die Chips von Geldkarten und die Mechanik von Armbanduhren zerstören kann.

Mit vielen beantworteten Fragen und großem Interesse an dem neuen Verfahren verließen wir TRIMET schließlich, um uns auf den Weg zu unserer letzten Station im Essener Nordviertel zu machen.

Angekommen bei der Zeche Zollverein, bot sich unseren Teilnehmern ein beeindruckender Blick auf das alte Zechengelände und die dazugehörigen Gebäude – ein typisches Bild für das alte Ruhrgebiet. Bei der Zeche Zollverein handelt es sich um ein ehemaliges Steinkohlebergwerk im Essener Nordviertel. Von 1851 bis zum Jahr 1986 arbeiteten Kumpel an diesem Standort und schafften Steinkohle aus den Tiefen des Ruhrgebietes an die Oberfläche. Die komplette Zeche ist von einem Architekten entworfen und besitzt deshalb eine ähnliche Architektur, die diesen Standort so besonders macht. 15 Jahre nach ihrer Schließung wurde sie im Jahr 2001 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt. Heutzutage werden auf der Zeche Zollverein diverse Touren durch das Gelände und die alten Gebäude sowie die immer noch vorhandenen Einrichtungen angeboten. Eine dieser Touren sollte unsere Exkursion ins Ruhrgebiet abrunden. Die Teilnehmer, Betreuer und Dolmetscher hatten zum Abschluss der Tour eine wahnsinnig interessante und auch – dank der Gästeführer – sehr unterhaltsame Zeit in der Übertageanlage des Zollverein Schachtes XII.

Die erste von insgesamt drei Führungen, die wir von der KlimaExpo.NRW begleitet haben, war geprägt von äußerst interessierten Nachfragen zu allen Projekte, netten Kontakten zu allen Teilnehmern und einer Ausdauer, die bei ähnlichen Exkursionen seinesgleichen sucht. Der Tag war lang, der Input aller besuchten Station immens, selbst der Busfahrer war am Ende des Tages geschafft, aber alle Teilnehmer – inklusive mir – verließen den Bonner UN-Campus am Abend sehr zufrieden und mit vielen neuen Impressionen … und eventuell sogar neuen Ideen!

Ihre Svenja Bock