Liebe Leserinnen und Leser,

bei strahlendem Sonnenschein brachen wir am vergangenen Dienstag am UN-Campus in Bonn zur ersten Exkursion im Rahmen der Weltklimakonferenz auf. Mit an Bord eine Gruppe gut gelaunter Gäste aus aller Welt, unter Ihnen zahlreiche Wissenschaftler, Kommunalvertreter und Politiker, die sich anschauen wollten, wie NRW-Kommunen die Klimaschutzziele von Bund und Land umsetzen. Die Exkursion war von der EnergieAgentur.NRW im Auftrag des BMUB und der NRW-Landesregierung organisiert.

Aus dem Rheinland ging es durch das Bergische Land schnurstracks in die größte Metropole des Ruhrgebiets, Dortmund (ca. 600.000 Einwohner), wo wir am Rathaus von den dortigen Stadtvertretern und einem Kamerateam von RTL empfangen wurden.

Hier übernahm Heike Regener, Reiseleiterin und waschechte Dortmunderin, das Zepter und begrüßte in typischer Ruhrgebietsmanier, humorvoll und herzlich, die Gäste.

Der Bürgermeister der Stadt Dortmund Manfred Sauer begrüßte im Saal der Partnerstädte die internationalen Gäste, berichtete in seiner Begrüßungsrede vom Werden der ehemaligen Hansestadt Dortmund mit ihrer 1000-jährigen Geschichte, den schweren Krisenzeiten während des Strukturwandels nach Schließung zahlreicher Stahlwerke und Zechen (ehemals waren es 70!) und der neuzeitlichen Entwicklung hin zur modernen Dienstleistungsmetropole.

Michael Leischner vom Umweltamt der Stadt Dortmund referierte anschließend zu einem der größten Stadtentwicklungsprojekte Deutschlands mit internationaler Strahlkraft, welches zu Beginn der 2000er Jahre durch die Stadt Dortmund und Partner in Angriff genommen wurde – den Umbau des Geländes des ehemaligen Stahlwerkes Hoesch im Stadtteil Dortmund-Hörde zu einem modernen Areal zum Wohnen, Arbeiten und Erholen. Ganz wesentlich hierbei der Wunsch, bei Gestaltung und Neubebauung, Themen wie Energieeffizienz, Klimaschutz und die Klimafolgenanpassung im Blick zu haben. Gerald Kampert vom Planungsamt der Stadt Dortmund gab abschließend noch erste Hinweise auf Effizienzmaßnahmen bei der Bebauung, die sich die Delegation dann später noch im Detail vor Ort anschauen würde.

Auf der Fahrt in Richtung Dortmund-Hörde ließ es sich unsere Reiseleitung nicht nehmen, bei einer Extrarunde mit dem Bus über den Wall einige wesentliche Highlights in der der Stadt vorzustellen. Neben dem Dortmunder „U“, saniert zum Kulturhauptstadtjahr 2010 und heute wichtiger Anziehungspunkt nicht nur für Kulturschaffende, war dies auch das neue DFB-Museum am Hauptbahnhof, das Konzerthaus und Reste der ehemaligen Stadtmauer, die die lange Geschichte Dortmund`s belegen.

Im Stadtteil Hörde am PHOENIX See gab es dann einen längeren Aufenthalt, der zahlreiche Highlights zu bieten hatte. Im ehemals von der Schwerindustrie geprägten Stadtteil Hörde begann im 19. Jahrhundert die Geschichte der Stahlstadt Dortmund. Erst 2001 ging diese zu Ende, und es kam zu einem der größten Umzüge in der Industriegeschichte. Viele Bauteile des ehemaligen Stahlwerkes Phoenix wurden abgebaut und nach China exportiert, um dort weiterhin Stahl zu produzieren. Zurück blieb ein riesiges Areal in bester Lage.

Über 200 Hektar Entwicklungsfläche sollten mit Unterstützung von EU, Bund, Land und der Stadt Dortmund für Wohnen, Leben und Arbeiten „aufbereitet“ und einer Nachnutzung zugeführt werden. Dabei entschied man sich für die Entwicklung von zwei ganz unterschiedlichen Bereichen.

Mit 24 Hektar Ausdehnung größer als die Binnenalster in Hamburg und unmittelbar angebunden an bereits bestehende Erholungsgebiete wie dem Botanischen Garten Rombergpark und dem Westfalenpark entstand seit 2010 ein moderner und lebendiger Treffpunkt für Freizeit- und Naherholung sowie ein attraktiver Wohnstandort zugleich – der PHOENIX See. Während das nordöstliche Seeufer durch die Emscheraue ökologisch ausgerichtet und für Wohnbebauung vorgesehen ist, bleibt die Südseite Freizeitangeboten und der Arbeitswelt vorbehalten. Besonders interessant: Geplant als großes Regenrückhaltebecken, schützt der PHOENIX See die flussabwärts liegende Wohn- und Gewerbebebauung am Ufer der Emscher vor Hochwasser. Das Hafenquartier zwischen See und Zentrum von Hörde ist heute Standort zahlreicher Dienstleistungsbetriebe. Der Stadtteil soll sich im Laufe der Jahre zu einem attraktiven Versorgungs- und Dienstleistungszentrum entwickeln.

Besonderes Ziel am Ufer des Sees war der EnergiePlusKindergarten „Montesorri-Kinderhaus“. Ralph Wortmann (Ingenieurbüro Wortmann und Scherer) stellte Planung und Umsetzung dieses besonders energieeffizienten Hauses vor. Ein Monitoring hat mittlerweile belegt, das sich die Investitionen in effektiven Klimaschutz und energieeffiziente Technik (Wärmepumpe, Lüftungsanlage, PV-Anlage) ausbezahlt hat und die bisherigen Bilanzen einen Energieüberschuss belegen. Weitere Besichtigungs- und Informationspunkte waren die zahlreichen Einfamilienhäuser rund um den See, welche ebenfalls neuesten Effizienzansprüchen genügen.

Auf der anschließenden Fahrt zum Signal Iduna Park (Stadion Borussia Dortmund) fuhren wir durch PHOENIX West, konzipiert als moderner Technologiepark, in dem sich, zwischen denkmalgeschützter Hochofenanlage und alten Hallen für Kultur- und Freizeitangebote, zukunftsweisende Unternehmen der Mikro-, Nanotechnologie sowie technische Dienstleister angesiedelt haben. Hier ist die Verbindung von Tradition und Moderne besonders hautnah zu erleben.

Touristisches Highlight der Tour war sicherlich für alle der Besuch des größten deutschen Fußballstadions, der alles in sich hatte, was das Fußballherz erfreut. Einlaufmusik im Spielertunnel, La Ola-Welle sowie das „Nationalessen“ des Ruhrgebiets am Spielfeldrand, die Currywurst. Natürlich spielte aber auch hier die Energieeffizienz eine nicht unwichtige Rolle. Borussia Dortmund ist mit dem Projekt „Strom09“ auch qualifiziertes Projekt der KlimaExpo.NRW. Seit Ende 2011 ziert eine große Photovoltaikanlage das Stadiondach. Da keine andere Anlage mehr Strom auf einem Stadiondach erzeugt, darf sich der mehrfache deutsche Fußballmeister seit 2013 auch Eigentümer des sonnigsten Stadions unter allen Bundesligisten nennen. 9.000 Solarmodule mit einer Flächengröße von fast 8.300 Quadratmetern erzeugen rund 830.000 Kilowattstunden Ökostrom im Jahr, ein Mittelwert, der durchaus höher ausfallen kann (Höchstleistung: 925.000 Kilowatt-Peak). Je nach Wetterlage erfolgt eine Einspeisung ins örtliche Stromnetz, oder die Energie wird gleich vor Ort verbraucht. Größer Nutznießer der Sonnenenergie ist das „Rasensolarium“, das den Stadionrasen regelmäßig mit künstlichem UV-Licht versorgt. Dies ist notwendig, da durch die hohen Tribünen der Rasen nicht mit genügend Sonnenlicht beschienen wird. Die künstliche Besonnung sorgt für eine deutlich längere Haltbarkeit, und die Qualität des Spielfeldes bleibt durchgehend hoch.

Den Abschluss des Tages bildete der Besuch der Firma DULA in Dortmund-Hombruch. Hier wurden wir vom Firmeninhaber Heinz-Herbert Dustmann in Empfang genommen, der die Entwicklung seines weltweit operierenden Unternehmens vorstellte. Dula (Dustmann Ladenbau) zählt in Europa zu den führenden Unternehmen für ganzheitlichen Ladenbau und exklusiven Innenausbau und liefert in über 60 Länder weltweit. Nachhaltigkeit und das damit verbundene umweltbewusste Denken und Handeln sind tief in der Unternehmenskultur verwurzelt. Das zeigte sich besonders auch am Standort in Hombruch, wo derzeit die Firmenzentrale erweitert wird und dabei modernste, energieeffiziente Technik zum Zuge kommt. Alexander Siassi, beauftragter Architekt, referierte hierzu anschaulich. Da die Fa. DULA an allen ihren Standorten mit Umweltmanagementsystemen arbeitet und innovative Technik einsetzt wurde das Unternehmen 2013 zum EU Green Building Partner ernannt.

Nach einem langen Tag kamen die TeilnehmerInnen voller neuer Eindrücke und Informationen in Bonn an. Das Feedback in den Tagen danach zeigte: Es war ein rundum gelungener Auftakt.

Ihr Marcus Müller

Fotos: EnergieAgentur.NRW / Jochen Tack