Die Bonner Klimakonferenz, bei der es wie in Paris um die Beschränkung der Erderwärmung auf höchstens 2 Grad geht, steht vor der Tür. Was könnten Wuppertaler für den Klimaschutz mehr tun als zu demonstrieren?

Klimaschutz auf lokaler Ebene als Bestandteil der Armutsbekämpfung: Das würde gut zur Klimapartnerschaft Wuppertal-Matagalpa und dem „Bündnis gegen Armut – für soziale Gerechtigkeit“ passen. Es gibt dafür ein Vorbild im Rhein-Sieg-Kreis. Ist das auf Wuppertal übertragbar?

Die UNO-Klimakonferenz in Bonn vom 6. bis 17.11.2017 wird vermutlich der Klimadiskussion und der Frage danach, wie die Erderwärmung auf 2 Grad beschränkt werden kann, neuen Aufschwung geben und Klima-Aktivisten zu Demonstrationen nach Bonn locken.

Aber Fragen des Klimaschutzes sind auch in Wuppertal gerade aktuell. Al Gores neuer Film „Immer noch eine unbequeme Wahrheit“ ist am 07.09.2017 angelaufen und die aktuelle Reihe von Hurrikanen in der Karibik unterstreicht, dass Al Gores Mahnungen ernst zu nehmen sind. Das Thema „Armut“ wurde nicht nur von Oberbürgermeister Andreas Mucke im „Bündnis gegen Armut – für soziale Gerechtigkeit“ thematisiert, das am 14.09.2017 seine Auftaktveranstaltung hatte. Schon im Juni hat Andreas Mucke bei der GEPA – dem größten europäischen Importeur fair gehandelter Handwerksprodukte und Lebensmittel – an der Veranstaltung „Climate First“ teilgenommen, in der es darum ging, dass gerechte Tauschbeziehungen mit Landwirten im globalen Süden nicht mehr ausreichen, um deren Existenz zu sichern. Dass diese oft durch die Folgen des Klimawandels bedroht ist, kam auch bei Al Gore  zur Sprache.

Das sollte auch für die Akteure der Klimapartnerschaft Wuppertal-Matagalpa ein Anlass sein kritisch zu überprüfen, ob ihre Ansätze in der bisherigen Form haltbar sind oder einer Anpassung an den neuen Erkenntnisstand bedürfen. Zudem gibt das „Bündnis“ ein Beispiel für die stärkere Beteiligung der Stadtgesellschaft an öffentlichen Aufgaben. Nicht nur Schulen, sondern auch Jugendverbände und „Offene Türen“ sowie Umweltverbände und Nachhaltigkeitsinitiativen sollten zu einem Kontakt mit Einwohnern der Partnerstadt Matagalpa motiviert werden. Im Zeitalter der Sozialen Medien und von YouTube muss man nicht mehr über den Ozean fliegen – es gibt viele preisgünstigere Alternativen, die über die Möglichkeiten der alten Brieffreundschaften hinausgehen.

Als Vorbild könnte das Bildungsprojekt „2 Grad mehr – na und? Klimaschutz auf lokaler Ebene als Bestandteil der Armutsbekämpfung“ des Rhein-Sieg-Kreises dienen. Es wurde in Zusammenarbeit mit dem Lateinamerika-Zentrum e.V. in Bonn realisiert, im Rahmen von „Protect the Climate“ mit europäischen Mitteln gefördert. Eine schlichte Kopie ist gewiss nicht möglich. Zunächst müsste die aktuelle Situation auf dem „Förderungsmarkt“ geprüft werden, welcher „Topf“ heute zu einem solchen Projekt passt. Außerdem bezog sich das Projekt auf einen Landkreis und war landwirtschaftlich ausgerichtet. Für eine Großstadt wie Wuppertal muss dieses entsprechend angepasst werden. Wuppertal hat Bio-Landwirte, die sich vielleicht für die Teilnahme an einem solchen Projekt motivieren lassen, und da faire Lebensmittel gewöhnlich auch Bio-Qualität haben wäre das auch im Interesse der GEPA. Aber auch das Forstamt des Landes NRW, in dem das Arboretum Burgholz liegt, wäre ein geeigneter Kandidat, aber dieses Mal für ein forstwirtschaftliches Projekt. Im Arboretum werden schon lange „exotische“ Bäume gepflanzt, deren Eignung für unser Klima in der Reaktion auf den Klimawandel wichtig sein könnte.

Und schließlich gibt es nicht nur bei der Stadtverwaltung eine für die Klimapartnerschaft Wuppertal- Matagalpa zuständige Stelle, sondern auch den Städtepartnerschaftsverein Wuppertal-Matagalpa und das Informationsbüro Nicaragua, das neben anderen ein Projekt in Matagalpa fördert und auch ein Bildungsprojekt zum Thema Migration aus Lateinamerika in die USA entwickelt hat.

Aber ein Klimapartnerschaftsprojekt in Anlehnung an das Projekt des Rhein-Sieg-Kreises wäre im Wuppertaler Rahmen eine „Innovation“,  und wer die Vorlesung „Innovations- und Technologiemanagement“ an der Bergischen Universität besucht hat, kann sich vorstellen, mit welchem Widerstand von Entscheidungsträgern eine Innovation zu rechnen hat, bevor sie Gelegenheit bekommt, sich im wirklichen Leben zu bewähren. Die erste Frage lautet also: Sind diese Hindernisse im Vorfeld überwindbar?

Um einen ersten Schritt zu machen, ist es wohl am besten, eine Aktion als Pilotprojekt durchzuführen und auf dieser Grundlage Kontakte in Matagalpa zu suchen. Anknüpfen könnte man an ein Hochwasserschutzprojekt, für das in Matagalpa 40.000 Bäume gepflanzt und Bildungsmaßnahmen durchgeführt wurden, an denen auch Schüler teilnahmen.

Das passt zu einer Aktion, an der schon seit Mai 2017 gearbeitet wird: Im Wald beim Wuppertaler Ortsteil Cronenberg sollen im Frühjahr 2018 in zeitlicher Nähe zum Tag des Baumes Kinder Bäume pflanzen oder säen, nachdem sie vormittags eingestimmt wurden – in der Station Natur und Umwelt oder im Großen Pfarrsaal der Gemeinde Heilige Ewalde. Die Vorbereitung soll den Kindern ein Bewusstsein über die globale klimatische Bedeutung des Waldes und des sozialen Kontexts vermitteln. Die ursprüngliche Idee zu der Pflanzaktionen stammt aus der Zeit von Al Gores erstem Film „Eine unbequeme Wahrheit“ auf den zeitlich der Orkan Kyrill folgte, der deutschlandweit Verwüstungen anrichtete. Sie wurde in der „Billion Tree“-Kampagne der UNO aufgegriffen, und „Plant-for-the-Planet“ zählt die gemeldeten Baumpflanzungen.

Es wäre allerdings auch eine Möglichkeit, an ein Beispiel aus Afrika – dem Mädchen Ireen aus Sambia – anzuknüpfen, über das UNICEF berichtet:

Sambia: Gemeinsam gegen die Folgen des Klimawandels – UNICEF

5.000 kleine Bäume hat Ireen in alten Getränkekartons und ausgedienten Autoreifen gepflanzt. Tag für Tag hegt und pflegt sie ihre Schützlinge …

Aus Samen selbst Setzlinge ziehen – das wäre die kostengünstigste Variante, eine Baumpflanzung zu realisieren. Es stellt sich allerdings die Frage, ob das in deutschen Forsten zulässig ist. Aber gekauftes Saatgut dürfte immer noch preiswerter sein als Setzlinge aus der Baumschule. Über diese Möglichkeiten wird derzeit im zuständigen Forstamt beraten. Die Förster legen jedenfalls Wert darauf, dass die gesäten oder gesetzten Bäume von den Schülern über mehrere Jahre betreut werden.

Jetzt geht es darum, Klassen oder AGs aus Cronenberg zu gewinnen, die an einer solchen Aktion mitmachen wollen. Zudem werden für die Begründung einer Partnerschaft Kinder aus Matagalpa gesucht – am besten aus Gegenden Matagalpas, in denen zwecks Hochwasserschutzes gepflanzt wurde.

Ihr,

Dr. Rüdiger Blaschke