Liebe Leserinnen und Leser,

der ADFC war Partner bei einer Premiere: Am 8. Juli 2017 veranstaltete die Stadt Bonn die erste Radtour zu ihren Klimaschutzorten und zwar zeitgleich mit weiteren teilnehmenden Städten in NRW. Die Radtour fand im Rahmen der NRW.KlimaTage2017 der KlimaExpo.NRW statt. Mithilfe einer Fahrradroute sollten qualifizierte Projekte der KlimaExpo.NRW einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden.

Das ließen sich der ADFC sowie insgesamt 44 Teilnehmer an der Radtour nicht zweimal sagen. Bei allerbestem Wetter traf sich die Gruppe am Poppelsdorfer Schlossweiher zum Besuch von insgesamt sieben Projekten.

Unser erstes Ziel war das Heizkraftwerk Nord in Endenich. Hier lernten wir eine hochmoderne Gas- und Dampfturbinenanlage kennen, die wir nur mit blauen Schutzhelmen besichtigen durften. Der zuständige Techniker erklärte, dass das Heizkraftwerk einen Wirkungsgrad von 90 Prozent hat und pro Jahr 194.000 Tonnen CO2 einspare. Zur Bonner Stromversorgung wird auch Dampf aus der benachbarten Müllverwertungsanlage genutzt.

Wir sind beeindruckt – aber es ist auch ein heißer Sommertag – und machen uns auf zur nächsten Station: Grüne Spielstadt / Internationale Gärten in Dransdorf. Der zuständige Projektleiter empfängt uns mit kühlem Mineralwasser in einem wirklich einmaligen Ort – Weideskulpturen, auf einer großen Wiesenfläche verteilt, laden zum Entdecken ein. Unsere jüngsten Tourenmitglieder, 5 und 7 Jahre alt, wollen nicht mehr aufhören zu schaukeln. Wir erfahren, dass die Grüne Spielstadt für kleines Geld für private Veranstaltungen gemietet werden kann. Gleich nebenan bewirtschaftet eine internationale Community ihre Kleingärten, in denen Obst, Gemüse sowie Kräuter aller Art angebaut werden. Wir können uns nur schwer von der sommerlichen Idylle trennen, aber schließlich geht es weiter zum nächsten Projekt: Der Passivhauskindergarten an der Rheindorfer Burg war natürlich geschlossen, aber die technischen Daten überzeugten unbedingt. Sehr niedriger Energieverbrauch durch nicht unterkellertes Gebäude mit Flachdach und Beheizung durch Erdwärmepumpe sowie Be- und Entlüftung durch zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.

Unbedingtes Highlight unserer Tour war Projekt Nr. 4: „Bonn im Wandel e.V.“ und das Haus Müllestumpe, ebenfalls an der Rheindorfer Burg. Zunächst konnte sich die Radgruppe von der guten Qualität von Kaffee und hausgemachtem Kuchen, der auf der Terrasse von Haus Müllestumpe serviert wurde, überzeugen. Nach einer Kaffeepause besuchten wir das „Repair Cafe“, wo defekte Haushaltsgegenstände aber auch Fahrräder und PCs gemeinschaftlich kostenlos repariert werden können. Das überaus engagierte Serviceteam erklärte, dass hiermit eine nachhaltige Lebensweise gefördert werden kann. Wir empfehlen unbedingt einen Besuch dorthin – an jedem vierten Samstag im Monat ist von 11 bis 15 Uhr geöffnet. Wir lernen weiterhin, dass über die Initiative „Bonn im Wandel e.V.“ auch der Lastenanhänger „Bolle“ sowie „Boll E“ (mit Solarstrom betriebener Lastenanhänger) und Lastenfahrräder zu bestimmten Terminen ausgeliehen werden können.

Am Rhein entlang und über die Kennedybrücke geht es weiter zu unserem nächsten Projekt: Deutsche Post DHL-Packstation Beuel. Hier werden uns eigens von der Post entwickelte Elektrofahrzeuge vorgestellt, die zur emissionsfreien Auslieferung von Postsendungen eingesetzt werden. Das Fahrzeug hat eine Zuladung von 710 Kilogramm und ein Laderaumvolumen von 4 Kubikmetern. Wir erfahren, dass der Zustellpunkt Bonn-Beuel täglich von vier StreetScootern angefahren wird. Die Tourenteilnehmer waren auch beeindruckt von dem E-Bike für Postboten, das immerhin 35 Kilogramm wiegt und weitere 50 Kilogramm Briefe und Päckchen in einer großen Postbox, die auf dem Gepäckträger befestigt ist, befördern kann.

Wir machen uns auf zu den letzten beiden Projekten unserer Tour, und zwar zur Radzählstation an der Kennedybrücke, die Tag und Nacht vorbeifahrende Fahrräder zählt. Schließlich kommen wir an der Photovoltaik-Anlage an der Kennedybrücke an und sehen, dass diese sich über die gesamte Länge der Brücke erstreckt. Solarworld AG hat die Anlage 2011 in Betrieb genommen; sie ist eine von insgesamt 1.361 PV-Anlagen in Köln.

Zum Ende der Tour sind unsere jüngsten Radler immer noch ganz munter und der Rest der Gruppe stellt fest, dass es viel Spaß gemacht hat bei unserer Radtour etwas aktiv über den Klimaschutz in Bonn zu erfahren.

Übrigens hat die Stadt dazu zusammen mit der KlimaExpo.NRW einen Flyer herausgegeben, der auch im ADFC RadHaus ausliegt. Wir freuen uns schon auf die Organisation einer weiteren Klimatour im nächsten Jahr und sind gespannt auf viele interessierte Teilnehmer(innen).

Ihre Elke Burbach