Aufwachen, Marc! So schmeckt der Sommer. Heute in Gelsenkirchen. Ein leichtes Frühstück im Freien. Tag 5 und damit mein letzter Einsatz als #GreenRider für die KlimaTour durch NRW. Wie soll ich meine Gefühle beschreiben? Ich bin ein wenig traurig. Denn heute neigt sich diese Reise dem Ende entgegen. Ganz viel bleibt – in meinem Kopf, in meinem Herzen. Doch dazu später mehr.

Ich verlasse Gelsenkirchen und damit auch das Ruhrgebiet. Weiter geht es, vorbei an Marl und Dorsten in Richtung Münsterland, das ich von einigen früheren Besuchen schon kenne. Saftige Wiesen, ganz viel Grün rechts und links der meist schnurgeraden Straßen. Unter Radsportlern sagt man „Kilometer schrubben“, wenn es gefühlt nur geradeaus geht und eben viel Strecke gemacht werden muss.

Die Strecke
117 Kilometer bis zum Treffpunkt. Das Ziel heißt Saerbeck, es liegt nördlich von Münster. Unser einziger und zugleich letzter Stopp an diesem Tag. Ein Besuch im Bioenergiepark steht auf meinem Programm.

Während ich die Kilometer zähle, habe ich viel Zeit, die vergangenen fünf Tage noch einmal vor meinem inneren Auge Revue passieren zu lassen. Es sind so viele Eindrücke, Erinnerungen, Momentaufnahmen: Die Draisine und das klimaneutrale Quartier am Arrenberg in Wuppertal, Theo Pagel und seine Pinguine im Kölner Zoo, der Windpark Königshovener Höhe, Bochum und seine Uni-Mensa, geballter Klimaschutz im Wissenschaftspark Gelsenkirchen. Ich werde meine Erlebnisse in mir tragen, um sie weiterzutragen. Das steht fest. Denn was alle Projekte miteinander verbindet, sind die Menschen, die mit Enthusiasmus und Innovationsgeist dahinterstehen. Sie werden getragen von dem Willen, etwas in unserem Leben zu verändern. Ihre Ideen bringen uns alle voran. Das ist schlichtweg beeindruckend.

Die Streckendetails zum Nachfahren gibt es hier:
Von Gelsenkirchen nach Saerbeck

Höhepunkt des Tages
Ganz klar das Gefühl, das sich heute Morgen in Gelsenkirchen beim Frühstück in mir ausbreitete. Ich bin unglaublich glücklich darüber, dass ich Teil von etwas so Sinnvollem sein durfte. Mit dem Wissen, dass eben auch Erinnerungen nachhaltig sein können.

Und trotzdem – ganz ehrlich: Die Kilometer scheinen heute kein Ende zu nehmen. Ich kann wohl nicht abstreiten, dass die knapp 500 Kilometer auf dem Rad Spuren hinterlassen haben. Was mich zum …

Knackpunkt des Tages führt.

Seit dem Start in Gelsenkirchen begleitet mich ein frischer Wind von vorne. Heute raubt er mir auf dem Rad die Moral. Hinzu kommen zwar sanfte, aber gefühlt endlos lange Anstiege, die nicht nur den Körper, sondern auch meinen Geist fordern. Was rät ein Mentaltrainer? Den Kopf mit positiven, emotionalen Bildern füllen – und zwar schnell. Wie gut, dass mir das heute leicht fällt. Ich drücke den Knopf für ein „Best of“ KlimaTour.

Dann – nach 117 Kilometern – passiere ich den Ortseingang von Reckenfeld. Hier treffe ich auf Mitradelnde, die mich an mein Ziel begleiten. Nur wenige Kilometer weiter sammeln wir den Bürgermeister von Saerbeck ein, Wilfried Roos. Und gemeinsam geht’s auf die letzten Kilometer in den Bioenergiepark. Wir sind am Ziel.

Ziel des Tages
Ich hätte niemals gedacht, dass ein ehemaliges Munitionsdepot eines Tages dazu dienen würde, die Welt ein Stück besser zu machen. Vielleicht sollte man diese Botschaft mal in Richtung G20 Gipfel nach Hamburg tragen, der von morgen an als Nachrichtenmoderator auf mich wartet. Was die Saerbecker aus dem Depot gemacht haben, das ist täglich gelebter Klimaschutz. Hier, in der Klimakommune Saerbeck, sind 500 Bürger am lokalen Bioenergiepark beteiligt. Und Bildungsprojekte in Schulen und Kindergärten sowie Energiestammtische bringen Klein und Groß den Klimaschutz nahe. Anhand vieler Versuche und Einblicke in den wissenschaftlichen Alltag der Mitarbeiter und ihrer Aufgaben bekommen unsere Jüngsten so den perfekten Einblick in eine ressourcenschonende Lebenswelt. Ein starkes Engagement. Dass ich dann auch noch in eine Rikscha mit solargetriebenem Zusatzmotor steigen durfte – unglaublich!

Eingespartes CO2
KlimaTour-Rekord: 19 Kilogramm CO2. Was für ein Erfolg. Ich kombiniere: Knapp 500 Kilometer mit dem Rad durch NRW. Hätte ich die mit dem Auto zurückgelegt, hätte ich rund 80 Gramm CO2 in die Luft gepustet. Vielleicht habe ich mit der Tour nur einen kleinen Beitrag zum Schutz unseres Klimas geleistet. Aber, und davon konnte ich mich in den letzten Tagen mehr als überzeugen, jeder Beitrag zählt. Wir müssen handeln. Jetzt. Für uns. Und alle folgenden Generationen. Sonst wird uns überrollen, was wir uns selbst eingebrockt haben.

Schlussworte des Tages
Meine Schlussworte möchte ich kurzhalten und den Bürgermeister von Saerbeck zitieren. Sein Statement steht symbolisch für alles, was ich in den vergangenen fünf Tagen erlebt habe: „Die Energiewende fängt unten an“, formulierte Wilfried Roos im Brustton der Überzeugung. Er hat recht. „Wir alle tragen die Verantwortung für die Welt, in der wir leben.“ Selten habe ich diesem Satz so große Bedeutung beigemessen.

Und jetzt? Sage ich Danke für alles. Danke an alle, die ich kennenlernen durfte. Vielleicht sehen wir uns wieder. Ich würde mich freuen.

Herzlich,
Ihr Marc Bator

PS: Ich bin jetzt übrigens Klimaretter. In Saerbeck habe ich mich das letzte Mal auf der Tour in die KlimaExpo.NRW-App eingeloggt und den elften Punkt ergattert. Sie können das auch. Machen Sie mit. Die NRW.KlimaTage2017 am 7. und 8. Juli sind DIE Gelegenheit dafür. Ich verspreche Ihnen: Es lohnt sich. Grüßen Sie mir die Menschen vor Ort.