Ein neuer Tag in NRW. Und eine Route mit „Höhen und Tiefen“, die symbolisch nicht besser zu dem Bundesland mit den drei Buchstaben hätte passen können. Warum? Na lesen Sie mal.

Die Strecke
Start in Moers, blauer Himmel, Sonne satt. Immer das Ziel vor Augen: über Bochum nach Gelsenkirchen. Ich hatte mich nicht einmal eingerollt, da ging es schon bei Krefeld über den Rhein. Der breite Strom glitzerte in der Morgensonne wie ein funkelnder, vielleicht ein wenig in die Jahre gekommener, Diamant. Weiter auf schmalen Straßen in Richtung Wittlaer. Das Korn steht hier schon auf den Feldern, goldgelb wie die Sonne, die mich den Tag über begleiten sollte.

Die eleganten Düsseldorfer Vororte hatte ich kaum hinter mir gelassen, da wurde mir eins klar: Dort, wo das Herz des Ruhrgebiets schlägt, da geht es – wie im richtigen Leben – rauf und runter: Essen, Hattingen dann über die Ruhr. Ja, der Mann im türkis-weißen Trikot musste wieder über die Berge, um an sein erstes Tagesziel zu gelangen: Bochum. Grubengold. Pott. Maloche. Aber auch Hochgeschwindigkeit in Sachen Innovation und Klimaschutz.

Die Streckendetails zum Nachfahren gibt es hier:

Von Moers nach Bochum

Von Bochum nach Gelsenkirchen

 

 

 

 

 

Der schönste Kilometer
Der schönste Kilometer lag gestern irgendwo in Bochum – ganz klar. Stadtgrenze passiert, alter Grönemeyer-Song im Ohr: „Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt, ist es besser, viel besser, als man glaubt.“ Stimmt!
Zur Bochum-Hymne: Bochum ich komm aus Dir!

Eingespartes CO2
Rund 13 Kilogramm. Kein KlimaTour-Rekord, aber immerhin. Zum Vergleich ein paar Beispiele aus der Lebensmittelproduktion. Denn etwa 15 Prozent der jährlichen Pro-Kopf-Emissionen in Deutschland sind auf die Ernährung zurückzuführen. Davon macht die Produktion* ganze 45 Prozent aus. So werden bei der Erzeugung von einem Kilo Rindfleisch umgerechnet etwa 13,3 Kilo CO2 freigesetzt – was relativ viel ist. Die gleiche Menge Äpfel setzt beispielsweise rund 0,5 Kilo CO2 frei, bei Tomaten sind es im Schnitt etwa 0,2 Kilo CO2.

Frage des Tages
Apropos Lebensmittel. Wie können wir eigentlich Lebensmittel ressourcenschonend erwerben und sie so einsetzen, dass wir viele Tage damit auskommen, ohne ständig das Gleiche essen zu müssen? Diese Frage habe ich mir schon häufiger gestellt. Auf meinem ersten Stopp beim Akademischen Förderungswerk, kurz AKAFÖ, habe ich eine Antwort darauf erhalten. Diese betreibt nämlich vier Hochschulmensen auf dem Campus der Ruhr-Uni Bochum und beschäftigt sich tagtäglich mit der Frage, wo sich das Wegwerfen von Lebensmitteln vermeiden lässt. 1,2 Millionen Tonnen Küchen- und Kantinenabfälle fallen jedes Jahr allein in NRW an. Das AKAFÖ hat es durch verschiedene – ganz simple – Maßnahmen geschafft, sein Müllaufkommen um fast 15 Kubikmeter pro Monat zu reduzieren. Starkes Stück! Und wodurch? Zum Beispiel durch vergünstigte Preise kurz vor Schließung oder kleinere Behälter für Essen, das außerhalb der Stoßzeiten verkauft wird. Es muss also nicht immer die große technische Lösung sein, manchmal hilft auch einfach eine gute Idee.

 

Party des Tages
Auch eine gute Idee – und was für eine – hatten die supertalentierten Studenten der Hochschule Bochum, die ich anschließend besuchen durfte. Was für eine Party! Das neue SolarCar wurde eingeweiht und ich war dabei. Coole Sache! Allerdings hoffe ich, dass ich den ausstudierten Ingenieuren und ihren Lehrmeistern nicht auf die Füße getreten bin, als ich ihr neustes Werk als „einen futuristischen Manta“ bezeichnet habe. Irgendwie hat das für mich Sinn gemacht: Manta, Opel in Bochum und das Ruhrgebiet. Aber nichtsdestotrotz: Dieses neue SolarCar, das über Solarzellen auf dem Dach nur von der Kraft der Sonne angetrieben wird, hat mich absolut beeindruckt. Mehr Klimaschutz geht ja wohl nicht. Und: Vom Antrieb mal ganz abgesehen, ist auch das komplette Interieur aus ressourcenschonenden Materialen produziert. Ein echtes Unikat. Wer als Student oder junger Ingenieur daran mitgewirkt hat, dem sollten bei unseren Automobilbauern doch eigentlich alle Türen offenstehen …

Ich auf meinem Rad war anschließend auf jeden Fall genauso „ressourcenschonend“ unterwegs. Bis zur Jahrhunderthalle ging es lange bergab. Dort hängten sich dann wieder einige Begleiter an mein Hinterrad. Gemeinsam radelten wir ein Stück auf dem Erlebnis-Radweg „Erzbahntrasse“. Inzwischen habe ich ein echtes Tour-Gefühl. Immer weiter, immer weiter. Vorbei an Zechen, Hallen und immer wieder ganz viel Grün. Bis zum …

Gewinner des Tages
… Wissenschaftspark in Gelsenkirchen – dem Herz der KlimaExpo.NRW. Dort, im Schülerlabor „EnergyLab“, können sich Schülerinnen und Schüler mit den Themen Klimaschutz und Erneuerbare Energien auseinandersetzen und selbst experimentieren. Ein beeindruckendes Projekt. Schließlich ist es wichtig, Kinder und Jugendliche bereits heute vom sinnvollen Umgang mit unseren Ressourcen zu überzeugen. Auch das kann Unterricht sein! Wie schön, dass die KlimaExpo.NRW das „EnergyLab“ nun in seine Leistungsschau aufgenommen hat. Und dass ich bei dem hochoffiziellen Akt der Urkundenübergabe dabei sein durfte. Herzlichen Glückwunsch!

Zuletzt konnte ich mir dann nur ein paar Meter weiter noch einen tollen Eindruck davon verschaffen, wie Klimaschutz in NRW in vielen Unternehmen gelebt wird. Und dass es eine Agentur gibt, die Firmen genau darin fit macht – die Effizienz-Agentur NRW. „Ressourceneffizienz“ heißt deren aktuelle Ausstellung. Schauen Sie doch mal vorbei – noch bis zum 20. Juli im Wissenschaftspark.

Knackpunkt des Tages
Ganz offen gesagt: Es gab keinen. Ich bin fit. Ich rolle. Ich bin verbunden mit meinem Rad. Und ich fühle dieses Land und seine wunderbaren Menschen. Ehrlich, direkt und voller Hingabe für Ideen und Projekte, die unsere Welt schon heute ein Stück besser machen.

Ich bin gespannt auf das, was morgen passiert.

Wir sehen uns in Greven und Saerbeck.

Ihr Marc Bator

*Gemeint ist der Dreiklang aus (konventioneller) Landwirtschaft, Verarbeitung und Handel.