Gestern Morgen kurz vor neun Uhr in Köln: Losrollen – immer den Rhein entlang. Wie schnell doch die Zeit vergeht, denke ich mir. Während die Radprofis durch Frankreich fahren, ist für mich schon Tag 3 der KlimaTour angebrochen. Tag 3 meiner ganz persönlichen Tour de Nordrhein-Westfalen. Unser Streckenprofil heute: flach bis wellenartig. Und dennoch hatten es gleich die ersten Kilometer in sich. Frischer Westwind war unser ständiger Begleiter. Und so hatte ich, offen gestanden, etwas zu kämpfen. Das Bergische Land vom Vortag steckte dann wohl doch noch in meinen Beinen.

Die Strecke
Die Landschaft von Köln nach Bedburg konnte ich trotzdem „genießen“. Auch, wenn sich kurz vor unserem ersten Stopp plötzlich ein Kühlturm, ein Kraftwerk an das Nächste reihte. Anlagen aus der Zeit der Energiegewinnung, wie wir sie seit Jahrzehnten kennen. Was ich erst später erfahren sollte: Das Betreiberunternehmen hat die Anlagen umgebaut und verschreibt sich inzwischen der Gewinnung Erneuerbarer Energien – und damit dem Fortschritt in Sachen Klimaschutz. Eine tolle Verbindung aus „gestern und heute“, wie ich finde. Und eine, die mich auf meiner Strecke von Bedburg über Moers nach Neukirchen-Vluyn weiter begleiten sollte.

Die Streckendetails zum Nachfahren gibt es hier:
Strecke: Köln nach Grevenbroich, Grevenbroich nach Neukirchen

 

Der schönste Kilometer
Die verwinkelten Straßen rund um Bedburg – Orte der Ruhe und der Einsamkeit. Und die neu errichtete Petruskapelle auf der Königshovener Höhe. Eins steht fest: Ich komme wieder.

Eingespartes CO2
Wieder mal 17 Kilogramm, die wir heute eingespart haben. Wieder mal eine ganze Menge. Zum Vergleich: Jeder Deutsche verursacht am Tag etwa 30 Kilogramm CO2. Daumen hoch für Radler also, würde ich sagen.

Begegnung/en des Tages
Begegnungen des Tages? Oh ja, die gab es. Zunächst mit dem Inneren einer Windenergieanlage. Ganz schön beeindruckend. Mein Blick streifte fast 100 Meter nach oben. Servicetechniker fahren zur Wartung in einem kleinen Fahrstuhl da hoch. Irre. An der Spitze des Spargels aus Stahl und Beton – das hören die Techniker übrigens gar nicht gerne – dreht sich der Rotor. 21 davon und fertig ist der Windpark auf der Königshovener Höhe. Hier kommen die größten kommerziell genutzten Onshore-Windenergieanlagen in Deutschland zum Einsatz. Wenn doch alles so einfach wäre … Ist es aber nicht .

 

 

 

 

 

 

 

Das hat mir Sascha Solbach, Bürgermeister der Stadt Bedburg, erklärt. Er hat mich mit auf eine Zeitreise in die Geschichte des Ortes Königshoven genommen. Das musste nämlich Ende der 1970er Jahre geschlossen umsiedeln – für den Braunkohletagebau Garzweiler. Das neue Königshoven liegt heute etwa sieben Kilometer von dem ursprünglichen Ort entfernt. Eine sehr traurige Geschichte. Aber sie hat auch etwas Gutes, wenn man so will. Denn weil der Windpark genau dort errichtet ist, wo früher einmal das Dorf gestanden hatte, haben die Menschen in der Region eine besondere Beziehung zu der Anlage aufgebaut. Der Park ist ihnen wichtig. Sie möchten, so Solbach, dass dort etwas Nachhaltiges entsteht, etwas das Sinn macht . Und das tut es. Als ich die Königshovener Höhe radelnd wieder verlasse, fühle ich mich den Menschen in den umliegenden Dörfern ganz nah.

Ein tolles Gefühl, das anhielt, als ich mit etwa 20 Mitradlern von Moers in Richtung Neukirchen-Vluyn fahren durfte. Sie alle wollten mir „etwas“ zeigen .

 

Überraschung des Tages
Zwischen Moers und Neukirchen-Vluyn ist in den vergangenen Jahren der ENNI Solarpark entstanden. Mit dem Ziel, dass die beiden Städte bis 2035 100 Prozent ihres Stroms aus regionalen regenerativen Energiequellen und der Kraft-Wärme-Kopplung gewinnen. Stolz recken sich etwa 14.000 Photovoltaikmodule in den Himmel, um aus möglichst vielen Sonnenstrahlen möglichst viel Strom zu erzeugen. Wie oft habe ich in den Nachrichten schon über diese Form der Energiegewinnung berichtet. Und wie oft habe ich mir nicht wirklich etwas dabei gedacht. Heute war es anders. Diese beeindruckende Technologie „live“ bei bestem Wetter erleben zu können, hat mir noch einmal verdeutlicht, wie einfach Klimaschutz sein kann – wenn alle ihn wollen, wenn man bereit ist, anfangs auch etwas zu investieren. Meine Meinung dazu: Habt mehr Mut! Umso größer ist später die Kapitalrendite .

 

 

Knackpunkt des Tages
Ein Wort unter Radsportlern: Ich habe mich nicht klug ernährt. Mein Frühstück war vielleicht ein wenig zu üppig. Der Motor sprang nicht so richtig an. Erst nach etwa vier Stunden! flutschte es auf dem Rad wieder so richtig. Und dann tauchte er urplötzlich auf – förmlich aus dem Hinterhalt: „der Mann mit dem Hammer“, auch Hungerast genannt. Kein Sprit mehr im Tank. Unterzuckert. Wer das auch nur ansatzweise kennt, weiß, wie wichtig es ist, dann so schnell wie möglich „nachzuladen“. Da ich Schlaumeier keine Energieriegel mehr in der Trikottasche hatte, musste der Bäcker in Meerbusch herhalten. Hat umso besser geschmeckt.

Morgen bin ich schlauer, versprochen. Bis dahin bleibt mir nur eins zu sagen: Danke für die Gastfreundschaft. Starker Tag!

 

Wir sehen uns in Bochum und Gelsenkirchen.

Ihr Marc Bator