Was für ein Tag – Tag 2 als #GreenRider. Ich muss offen sagen, die ersten Kilometer Einrollen gestern Morgen, sie waren ein Traum. NRW hat seinen Sommer wieder und ich einen neuen Lieblingsplatz, den Baldeneysee am Stadtrand von Essen. Sanfte Wellen, die in der Morgensonne glitzern, die ersten Ruderboote, dazu Sonne satt und ein blauer Himmel. Ein Gefühl wie an der Côte d’Azur. Dementsprechend fröhlich ging es auf die zweite Etappe meiner KlimaTour.

 

Die Strecke
Auf der gestrigen Strecke von Essen über Wuppertal nach Köln war mein erster offizieller Stopp der Bahnhof Loh. Dort bietet die Wuppertalbewegung auf einem alten Fahrgleis der Rheinischen Eisenbahn Draisinenfahrten an. Schon die Anfahrt – spektakulär. Kaum waren wir – mich begleitet übrigens mein Navigator Lennart Klein – aus dem rund einen Kilometer langen, feuchtkalten Scheetunnel herausgerollt, öffnete sich ein weiter Blick auf das morgendliche Wuppertal. Der ehemalige Eisenbahntunnel ist heute ein kombinierter Rad- und Wanderweg und verbindet die Kohlenbahntrasse des Radwegenetzes Von-Ruhr-zur-Ruhr mit der Wuppertaler Nordbahntrasse. Wie schon in Essen sind auch hier die Spuren der Industriekultur noch deutlich erkennbar. Vorbei ging es an alten Industrieanlagen, also Orten der Zeitgeschichte, an denen Historie auf Moderne trifft. Das fasziniert mich. Und so auch das erste Projekt, das ich ansteuern durfte. Es ist einfach schön zu sehen, mit welcher Liebe zum Detail sich der Wuppertalverein um den Erhalt der 1,7 Kilometer langen Bahnstrecke nebst Haltestelle kümmert. Klar, dass da die Fahrt mit der Draisine nicht fehlen durfte. Schließlich ist auch das nachhaltige Fortbewegung. Und da ich ja inzwischen ans Radeln gewöhnt bin, habe ich meine Gastgeber gerne auf den alten Gleisen vor und zurück bugsiert.

Die Streckendetails zum nachfahren gibt es übrigens hier:
Strecke: Essen nach Wuppertal, Wuppertal nach Köln

 

Im Video: #GreenRider Marc Bator wird in Wuppertal auf der Mitfahrerstrecke begleitet

Der schönste Kilometer
Die Brücke über den Baldeneysee, kurz vor dem Bahnhof Essen-Kupferdreh. Fantastisch. Sommer. Sonne. Was soll ich sagen: Danke, KlimaExpo.NRW!

Begegnung des Tages
Jörg Heynkes. Er hat mir vom Wuppertaler Stadtteil Arrenberg erzählt – früher ein Problemviertel, heute das erste klimaneutrale Wohnquartier NRWs mit rund 5.000 Einwohnern. Jörg Heynkes ist derjenige, der die Menschen im Klimaquartier zusammenbringt und mit Freude jeden Tag ein Stück weit die Welt rettet. Seine Herausforderung: das Quartier energetisch auf Vordermann bringen. Mit dem Ziel, den Arrenberg bis 2030 Schritt für Schritt CO2 neutral zu kriegen. Ich finde das klasse – was für ein Engagement. Es bringt die Menschen im Stadtteil zusammen, man redet miteinander, man freut sich gemeinsam, man zerbricht sich zusammen den Kopf. Diese Nähe zum Menschen, das ist genau mein Ding. Dank Jörg Heynkes durfte ich für eine knappe Stunde in die Lebenswelt anderer Menschen eintauchen. Irgendwie schienen alle sehr glücklich und zufrieden mit ihrem Leben. Ich glaube an gemeinsame Ziele und daran, dass wir sie mit guten Projekten auch erreichen können. Sie verbinden uns. Das Klimaquartier ist ein tolles Beispiel dafür.

Knackpunkt des Tages
Nachdem ich zwischen zwei Pedalumdrehungen in Wuppertal noch einen kurzen Blick auf die berühmte Schwebebahn werfen konnte, ging es auch schon weiter Richtung Köln. Abschied von der Stadt, die kesselartig von Hügeln umschlossen ist. Hügel? Geschätzt gute drei Kilometer ging es steil bergauf in Richtung Cronenberg. Und die wurden am Ende lang … sehr lang. Da derzeit – trotz bester Form – leider noch einige Kilo Übergewicht mitrollen, musste ich echt beißen.

Eingespartes CO2
Etwa 17 Kilogramm. Und damit nicht nur in etwa das Volumen von 3.450 Luftballons, sondern auch mehr als die Hälfte von dem, was jeder Deutsche am Tag verursacht – nämlich etwa 30 Kilogramm CO2  pro Tag.

Tierischer Höhepunkt
Es ist, glaube ich, vollkommen egal, wie alt man ist. Jeder Zoobesuch weckt Kindheitserinnerungen. So auch gestern bei den Humboldtpinguinen im Kölner Zoo, wo ich mich plötzlich an der Westküste Südamerikas wähnte. Allerdings wurde mir von Zoodirektor Theo Pagel eine weitere Erinnerung geschenkt. Ich durfte über den Zaun steigen und die Pinguine füttern. Bis zu dreißig norwegische Lodden passen in den Bauch eines Humboldtpinguins. Und genau das ist das Problem: Durch den Klimawandel tritt immer häufiger das Wetterphänomen El Niño auf. Eine warme Meeresströmung um die Weihnachtszeit, die das nährstoffreiche Wasser des kalten Humboldtstroms verdrängt und somit die Fischbestände an der Westküste Südamerikas kurzzeitig limitiert. Dadurch müssen die Fische – eigentlich Sardellen – in tiefere Meeresströmungen ausweichen, wo sie für die Pinguine nicht mehr erreichbar sind. Wie doch alles zusammenhängt …

Im Video: Marc Bator füttert Pinguine im Kölner Zoo

Wie sehr man Tiere lieben muss, um Zoodirektor zu werden? Das habe ich mich auch gefragt. Theo Pagel entgegnete mir beim Kaffee danach, dass sein Berufswunsch schon als Kind festgestanden habe. Kann ich gut verstehen. Ging mir nicht anders. Die Liebe zum eigenen Beruf, sie ist bis heute groß. Dafür sorgen eben auch die vielen schönen Nebenschauplätze, wie mein Einsatz als #GreenRider.

 

Bis morgen. Wir sehen uns in Bedburg, Moers und Neukirchen-Vluyn.

Ihr Marc Bator