Wir sind mitten drin –  in der Fastenzeit. Für viele bietet sie Gelegenheit, die eigene Lebensweise, die eigenen Gewohnheiten zu hinterfragen und in sieben Wochen etwas auszuprobieren. Diese besondere Zeit nehmen wir – in der Evangelischen Kirche von Westfalen und in sechs weiteren Evangelischen Landeskirchen – zum Anlass, den Klimaschutz in den Fokus zu rücken.

Kernstück unserer Fastenaktion für Klimaschutz und Klimagerechtigkeit ist eine Broschüre, in der wir Anregungen für die Fastenzeit geben. Jede Woche steht dabei unter einem anderen Thema. So können alle Fastenden jede Woche ein, zwei oder mehrere Ideen und Impulse auswählen oder ihre ganz eigenen Schwerpunkte setzen.

Für jede der sieben Fasten-Wochen haben wir konkrete Anregungen und Impulse zusammengestellt. Es geht nicht darum, auf alles zu verzichten, sondern sich Zeit zu nehmen, das eigene Handeln im Alltag in den Blick zu nehmen. Eine Anregung ist beispielsweise anders und achtsamer zu kochen und zu essen: Manchmal muss es eben einfach schnell gehen… die Dosen-Ravioli, die Fischstäbchen aus der Tiefkühltruhe, die Tütensuppe. Doch was geht uns dabei an Genuss und Geschmack verloren? Wissen wir noch, was im Essen drin steckt? Und wie all unsere Lebensmittel produziert werden?

Es geht um die kleinen Dinge: Sich Zeit nehmen zum selbst kochen und genießen, ins Büro oder zum Ausflug nur selbst zubereitete Snacks mitnehmen und auf Fertiggerichte verzichten. Oder den Nachbarn zu einem gemeinsamen Großeinkauf einladen, so bleibt ein Auto stehen. In einer anderen Fasten-Woche können die eigenen Geldanlagen im Fokus stehen: Wie geht meine Bank mit den Sparguthaben um? Wird mein Geld z. B. in einen Energiesparfonds investiert oder unterstütze ich mit meinen Geldanlagen noch die klimaschädliche Industrie? Die USA wollen nach Trumps gestrigem Dekret wieder mehr in Kohle investieren. Umso mehr Anlass, es anders zu machen und jetzt die eigenen Geldanlagen zu überprüfen.

Eine immer wieder kehrende Herausforderung liegt derzeit für mich im Bereich der Mobilität. Täglich versuche ich morgens pünktlich loszukommen, um meine Tochter zur Tagesmutter zu bringen und im Idealfall rechtzeitig mit dem Rad zur Haltestelle zu kommen, um dann weiter mit Bahn und Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Das ist alles eng getaktet und meist läuft es darauf hinaus, dass wir zu spät sind und ich für die komplette Tour zur Arbeit das Auto nutze. Dieses Dilemma kennen sehr viele… Ist das eine Mobilität, die gut tut? Wohltuender wäre es bestimmt, mir vor und nach der Arbeit frischen Wind um die Nase wehen zu lassen und etwas abgelenkt und mit Bewegung nach Hause zu kommen. Vielleicht hilft ja das Kirchenrad weiter? Ich gebe nicht auf und bleibe dran…

Diese kleinen Beispiele kommen mir selbst manchmal wirkungslos vor und es gibt Momente, in denen mir die Ausdauer fehlt. Mein Kollege aus der Evangelischen Kirche im Rheinland bringt es aber auf den Punkt: Angesichts schmelzender Gletscher, vom Meeresanstieg bedrohter Südsee-Inseln oder der Zunahme von Wirbelstürmen aufgrund des Klimawandels mag es gering erscheinen, beim Klimafasten auf einen nachhaltigen Warenkorb zu achten oder sich bei der Geldanlage an ethischen und ökologischen Kriterien zu orientieren. Das Eintreten für Klimaschutz und eine gerechtere Welt braucht aber solche kleinen Schritte von vielen Menschen genauso wie die großen politischen Handlungen und rechtliche Vereinbarungen.

Das ist für mich und für viele weitere genug Anlass, das andere Mobilsein, das andere Einkaufen oder Geld anlegen noch bis Ostern auszuprobieren – und vielleicht die ein oder andere Anregung zur Gewohnheit zu machen. Welche neuen Perspektiven sich eröffnen zeigen die zahlreichen Kommentare und Tipps in der Facebook-Gruppe „klimafasten.de“. Alle Informationen und viel unterstützendes Material zum Klimafasten gibt es unter www.klimafasten.de.