Als nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 in Deutschland die „Energiewende“ ausgerufen wurde, waren sich alle einig: Das kann nur gelingen, wenn alle mitmachen! Mit ein wenig Abstand und dem Blick auf das bisher Erreichte scheint eine sachliche Einschätzung der Dinge angemessener als der Versuch, die verblassende Euphorie aufrechterhalten zu wollen.

Der überwiegende Teil der Bevölkerung in Deutschland ist in seinen Möglichkeiten, einen Beitrag für die Energiewende zu leisten, stark begrenzt. Die Rede ist von den Mietern hierzulande. 11 von 20 Menschen in der Republik besitzen nicht, was sie bewohnen und entscheiden daher auch nicht, ob das Gebäude, in dem sie wohnen, an dem eingeschlagenen Kurs teilnimmt oder eben nicht. Gleichwohl werden genau diese Mieter im Namen der Solidarität in Form von EEG-Umlage und Co. belastet, während Eigenheimbesitzer und stromintensive Betrieb im Namen derselben Solidarität entlastet werden.

Vor dem Hintergrund dieser Prämissen scheint die Lethargie in eben diesem Segment spürbar und, wenn auch nicht vertretbar, zumindest nachvollziehbar. Ökostrom steht wieder hinten an und der energetische Imperativ rückt in weite Ferne. Zurück also zu alten Werten? Sicher nicht. Der „energetische“ Dreiklang aus Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit klingt zumindest richtig und ist auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene etabliert.

Nimmt man ihn beim Wort, kommt so etwas heraus wie Mieterstrom. Zum Beispiel bei uns, bei der GAG Immobilien AG, der größten Vermieterin in Köln. Deutlich CO2-reduzierte Energieerzeugung durch effiziente, sichere und vor allem lokale Erzeugung bei gleichzeitig günstigen Preisen. Für Mieter. Zunächst für einen kleinen, allerdings stetig wachsenden Teil unserer Mieter. Der Preis dafür? Viel Arbeit und Durchhaltevermögen bei allen bürokratischen und formalistischen Hürden, die sich mit der Umsetzung solcher Projekte ergeben.

Es scheint an vielen Stellen so, als sei man überhaupt nicht vorbereitet auf solche Innovationen wie Mieterstrom. Im Gegensatz zu den Naturgesetzen ist das Energie- und Steuergesetz von Menschen gemacht. Das eine kann man ändern, das andere nicht. Und während wir (und andere Wohnungsbaugesellschaften) auf Einsicht der Beteiligten hoffen, freuen sich unsere Mieter ganz ehrlich und authentisch darüber, Teil von etwas Großem zu sein.