Herzlich willkommen zu dem Jahrhundert-Derby in der „Happy Planet Arena“! Es ist so weit! Wohlstand läuft in rot auf. Klima ganz in schwarz – aus Respekt gegenüber dem sterbenden Mitspieler „Regenwald“. Was für ein Statement! Anpfiff. Wohlstand übt sofort mächtig Druck auf Klima aus. „Apple“ läuft an und… TOOOR! Das neue iPhone 7 ist auf dem Markt! Doch Klima lässt sich nicht unterkriegen. „Hurricane Matthew“ braust auf und… AUSGLEICH! Torhüter „Haiti“ muss sich geschlagen geben. Unglaublich! Was für ein packendes Spiel!

Aber nun mal ganz von vorne: „Don’t worry be happy“ tönt es aus dem Autoradio. „Was für ein Zufall“, denke ich mir. Ich bin auf dem Weg zur Herbstakademie der Lernferien NRW an der Mülheimer Wolfsburg. Eine Woche lang werde ich dort Jugendliche zu dem Thema „Wohlstand und ein gesundes Weltklima“ begleiten und unterstützen. Vor einem halben Jahr war ich noch selber Teilnehmerin in der Akademie. Nun bin ich die Teamassistentin. „Don’t worry be happy“ – Bob McFerrin unterbricht mich in meinen Gedanken. Vielleicht ist es ja genau das. Vielleicht haben wir als Menschheit zu lange nach diesem Motto gelebt. Nun machen uns die vielen Sorgen um unser krankes Weltklima doch zu schaffen.
Ich freue mich sehr auf die Woche! Auf die 25 Jugendlichen, die diesem Thema ihre Ferien widmen. Auf die 25 Jugendlichen, die wahrscheinlich genauso wie ich, die Problematik des Themas erkannt haben, aber denen trotzdem irgendetwas an Umsetzungskraft oder Wissen fehlt.

Den perfekten Einstieg in die Woche gibt uns Simone Schubert, Leiterin des Projektmanagements „klimametropole Ruhr 2022“. Ihr Vortrag, zu der Fragestellung „Sind Wohlstand und ein gesundes Weltklima Gegensätze?“, bringt uns stark zum Nachdenken. Deutschland steht in der Tabelle des weltweiten materiellen Wohlstands auf Platz 4. In der Tabelle des Happy Planet Indexes, welcher das „Glücklichsein“ der Menschen und deren ökologischen Fußabdruck einbezieht, belegt Deutschland nur Platz 51. Eine klare Antwort auf die Leitfrage. Frau Schubert betont unsere eigene Kaufkraft: Jugendliche in Deutschland geben 20 Mrd. Euro jährlich aus. Hierzu zählt nicht mal unser großer Einfluss auf das Konsumverhalten unserer Eltern etc. Eine erste Erkenntnis: Auch, wenn wir uns oft vor dieser Verantwortung verstecken; wir können mit unserer eigenen Einstellung etwas bewirken.

Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, z. B. ein Studium in dem Bereich Energieeffizienz zu absolvieren. Als nächstes steht nämlich ein Besuch an der Hochschule Düsseldorf zum Thema erneuerbare Energien an. Wir schnuppern schon mal ein bisschen Luft als Studenten in dem neurenovierten Hörsaal. Prof. Dr. Adam hat eine steile These für uns: „In Deutschland mangelt es nicht an Technik oder Geld für den Klimaschutz. Es mangelt an Umsetzung.“ Dennoch stellt er Deutschland als einen „Musterknaben“ in Sachen erneuerbare Energien dar, obwohl Deutschlands Energieverbrauch immer noch doppelt so hoch ist wie der Weltdurchschnitt. Während in Deutschland der Energieverbrauch aber stetig sinkt und immer „grüner“ wird, steigt er in Schwellenländern wie China kontinuierlich an. Eine zweite Erkenntnis: Klimaschutz muss global gedacht werden. Ansonsten bringt er wenig.

Global muss auch die Wirtschafts- und Klimapolitik handeln und zusammenarbeiten, wie uns Dr. Thilo Schäfer später in seinem Vortrag erklärt. Nur so kann man den Klimaschutz unterstützen, ohne die internationale Wettbewerbsfähigkeit seiner Wirtschaft zu zerstören. Das Problem muss zusammen bekämpft werden. Eine Gruppenarbeit im Plenum zu diesem Thema bringt uns selber ins Schwitzen. Es ist echt nicht leicht, diese beiden fast gegensätzlichen Komponenten aus Wirtschaft und Klimaschutz zusammen zu bringen. Eine perfekte Lösung finden wir nicht. Besonders in Erinnerung bleibt mir Schäfers Zitat: „Es geht nicht um´s ob, es geht um´s wie“. Der Klimawandel ist kein Phänomen, sondern eine Tatsache, welche am besten jetzt sofort angegriffen werden sollte.

„Sofort“ ist ein gutes Stichwort. Natur zum Bewundern. Das gab es in unserem Besuch der Ausstellung „Wunder der Natur“ im Gasometer. Der Name macht der Ausstellung aller Ehre. „Krass, wie viele unterschiedliche Arten an Lebewesen und Pflanzen es doch gibt“, geht mir durch den Kopf. Die Aussicht auf eine riesige Weltkugel, welche sich vor mir dreht, beeindruckt mich. Ich fühle mich wie im Weltall. „Gab es in Afrika schon immer so viel Wüste?“, frage ich mich. Irgendwie kommt mir das Grün, was ich sehe, wenig vor. Ein Eindruck bleibt bei uns allen hängen: Wie können wir Menschen nur so eine atemberaubend schöne Erde derartig zerstören?

Klar ist: Es müssen sich alle Instanzen der Gesellschaft für den Klimaschutz einsetzen, um dieser Zerstörung entgegen zu wirken. Dies betont auch der Papst. In seiner ausführlichen Enzyklika ruft er alle „Menschen guten Willens“ dazu auf, sich mehr für die Umwelt einzusetzen und zu engagieren, wie uns Kathrin Schroeder von Misereor erzählt. „Der Schrei der Erde muss genauso gehört werden, wie der Schrei der Armen“.

Abschließend bekommen wir nachhaltige Innovationen, hautnah zu sehen. Wir besuchen die Loick AG im Münsterland. Dort wird uns biologisch abbaubares Verpackungsmaterial aus Maisstärke vorgestellt. Schmecken tut es sogar auch, muss ich sagen. Schon in ca. jedem dritten Paket in Deutschland sind diese kleinen weißen Pellets zu finden. Wir sind begeistert – genauso wie über eine weitere Innovation der Firma: PlayMais. Das sind bunte Pellets, welche schon auf der ganzen Welt als Spielzeug fungieren – quasi ein nachhaltiger Lego-Ersatz.

Dann besichtigen wir die riesige Biogasanlage. So können wir uns endlich eine Innovation wie diese in echt anschauen. Nachhaltig ist besonders ihre Flexibilität, da die Anlage sich an den Bedarf des Stromnetzes anpasst und damit auch die natürlichen Schwankungen von Wind- und Sonnenenergie ausgleichen kann. Nach all dem vielen Bereden von Problemen im Umweltschutz, hat uns dieser Besuch einen Hoffnungsschimmer gezeigt. Fortschritte gibt es wirklich.

„Klein anfangen“ heißt es in fast allen Programmpunkten. Doch auch wir stoßen während unserer Akademie schnell an unsere Grenzen. Die vielen Blätter, die wir für unsere Aufgaben ausdrucken… Naja, so umweltfreundlich ist das nicht gerade. Außerdem dieses lupenreine Essen der Wolfsburger Küche. Wir brauchen nicht die perfekt gekrümmte Banane. Aber was können wir tun?

Eins wurde mir und ich glaube uns allen deutlich: Wir können unsere Position wechseln! Wir dürfen nicht mehr nur Schiedsrichter sein – bloß zugucken und urteilen über die Geschehnisse. Ob wir wollen oder nicht: Wir entscheiden über das Endergebnis der Partie. Wir sind die Spieler. Schon jedes ermutigende Wort, jeder Handschlag, jeder nützliche Pass nach vorne, jedes „Worry“ um unseren schönen Planeten, jede Minute, die wir mehr für die richtige Mannschaft spielen, hilft. Auf dass es am Ende 2:1 für das Klima heißen wird!