Nachhaltiger Konsum wird bereits seit geraumer Zeit intensiv beforscht – aus unterschiedlichen Disziplinen, mit verschiedenen Schwerpunkten und Methoden. In den verschiedenen Ergebnissen spiegeln sich nicht nur die unterschiedlichen Ansätze, sondern vor allem auch die Individualität der Konsumenten wieder.

Die gute Nachricht zuerst: Nachhaltigkeit scheint als generelle Idee positiv besetzt zu sein und die Zahl befragter Konsumenten, die angeben, nachhaltig zu konsumieren, erreicht (in einzelnen Studien) die 60 Prozent-Marke. Der Markt für nachhaltige Produkte und Dienstleistungen wächst, alternative Konsummodelle werden gelebt und in den Medien wird dies umfassend begleitet.

Und doch zeigt der nüchterne Blick: Die Marktanteile für die meisten nachhaltigen Alternativen befinden sich im Promille-Bereich – was dann auch wieder die hohen Wachstumsraten und das Medieninteresse erklärt (über Normalität muss man eben nicht berichten).

Wo sind also die selbsternannten nachhaltigen Konsumenten?
Zunächst einmal führen einige methodische Probleme zu einer Überbewertung der Anzahl nachhaltiger Konsumenten. Es fällt zum Beispiel nicht schwer Nachhaltigkeit als die sozial erwünschte Antwort in Befragungen zu identifizieren. Aber auch Erklärungen für das Phänomen des Auseinanderfallens von Einstellungen und tatsächlichen Handlungen lassen sich liefern. Diese reichen von Informationsmängeln über falsche Prioritätensetzungen und Rebound-Effekten bis zu Verweisen auf den Staat als verantwortliche Instanz.

An Letzterem Punkt möchte ich anknüpfen. Die persönliche Konsumentenverantwortung ist in Deutschland nämlich eher schwach ausgeprägt. Nachhaltigkeit ja, aber mit dem Staat als regelndem Akteur, der in diesem Fall in die Pflicht gestellt wird, dafür Sorge zu tragen, dass sich die Bevölkerung entsprechend verhält. Doch wie erreicht man die große Menge der Nachhaltigkeit bekundenden, aber nur gelegentlich so handelnden Konsumenten? Wo nicht aus moralischer Verpflichtung heraus gehandelt wird, sondern man persönlich Opfer bringt oder einen positiven Beitrag zur Problemlösung liefert, was bitteschön doch umfassend gewürdigt werden sollte, da erreicht Kritik am Umfang und an Stoßrichtung des Verhaltens nichts. Positive Bestätigungen, Nudging etc. werden ja nicht umsonst intensiv diskutiert. Sie sind die geeigneten Instrumente in dieser Situation. Kritik, noch dazu im Rückgriff auf das Nachhaltigkeitsleitbild, führt dagegen häufig zu Neutralisierungsstrategien (Leugnung der Verantwortung oder des Schadens, persönlichen Angriffen, Berufung auf eine höhere Instanz,…). Oder einfach zum Rückfall auf Desinteresse.

Hier kann die KlimaExpo.NRW über die Qualifikation von Projekten und Organisationen einen Beitrag leisten: Zum einen diejenigen, die Nachhaltigkeit leben, zu würdigen und damit auch den Radius des Vorlebens zu erhöhen. Die präsentierten Projekte sollen wachsen und nachgemacht werden. Die Informationen zur Klimaschutz-/Nachhaltigkeitswirkung des Präsentierten werden dabei durch die Hintertür mitgeliefert und nicht mit dem erhobenen Zeigefinger.

Vor dem Nachmachen steht das Bekanntmachen.

In diesem Sinne, verweisen wir an dieser Stelle gerne auf wertvolle Projekte, die Menschen positiv motivierend mitnehmen:

Festival n.a.t.u.r.

Köln spart CO2

Bzw. der Nachfolger des Projektes: Klimaschutz Community Köln

Green Apes