Lebten alle Menschen in Deutschland in Neubauten – die Wärmewende wäre praktisch geschafft. Häuser, die nach den aktuellen Vorschriften entstehen, brauchen nur sehr wenig Energie. Im Schnitt etwa ein Fünftel dessen, was in Gebäuden aus der Zeit von 1948 bis 1968 verheizt wird. In diesen Jahren wurden in Deutschland die energetisch schlechtesten Häuser gebaut. Und leider auch die meisten.

Das Gros der Privatleute wohnt also in ganz und gar nicht sparsamen Gemäuern. Doch es gibt die benötigte Technik, um diese Häuser mindestens auf den energetischen Standard von Neubauten zu bringen. Warum aber sollten Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer das tun?

Das ist die entscheidende Frage. Dass Privathaushalte zur Wärmewende beitragen können und müssen, ist klar. Die Wege sind bekannt: Sparsames Verhalten, Wärmeschutz, effiziente Heiztechnik, erneuerbare Energien. Doch rund drei Viertel aller Gebäude sind noch nicht ausreichend saniert, und die Zeit läuft. Abgerechnet wird 2050. Bis dahin steht für viele Bauteile nur noch ein einziger Sanierungszyklus an. Jede Modernisierung, die jetzt nicht konsequent durchgezogen wird, ist somit eine verspielte letzte Chance für das Klima.

Die Investitionen in diesem Bereich steigen aber nicht an – im Gegenteil. Seit 2010 sind die Ausgaben für energetische Sanierungen um 15 Prozent zurückgegangen. Die Dämmung der Außenwand als eine der entscheidenden Maßnahmen steckt besonders tief in der Krise. Evaluationen der Verbraucherzentrale NRW zeigen: Sogar unter Hauseigentümern und -eigentümerinnen, denen die Fassadendämmung in einer Energieberatung empfohlen wurde, sinkt die Umsetzungsquote rapide. Bei anderen Maßnahmen bleibt diese immerhin einigermaßen stabil.

Die Antwort auf die Frage, warum die Sanierungen ausbleiben, ist keine große Überraschung. Bei der Fassadendämmung mag ein größeres Imageproblem bestehen, doch ausschlaggebend ist hier wie überall: Die Wirtschaftlichkeit. Vor diesem Hintergrund bleibt es höchst beklagenswert, dass energetische Maßnahmen nicht steuerlich absetzbar sind. Dass diese Förderungsmöglichkeit erst lange öffentlich diskutiert wurde, um schließlich doch von der Agenda zu verschwinden, hat die Menschen verunsichert und in eine abwartende Haltung versetzt. In einer Zeit, in der gesunkene Öl- und Gaspreise längst den finanziellen Druck aus vielen Heizkostenrechnungen genommen hatten, war das fatal.

Wo es keine ordnungsrechtlichen Vorgaben gibt, bleibt die Wirtschaftlichkeit das entscheidende Argument. Gerade größere energetische Maßnahmen dürfen privaten Hauseigentümerinnen und -eigentümern nicht als Verlustgeschäft erscheinen. Dafür muss zum einen das Bewusstsein dafür wachsen, dass nicht nur Kosteneinsparungen Gewinne sind, sondern auch die Komfort- und Immobilienwertsteigerungen. Zum anderen aber muss schlicht die Förderung optimiert, ihr Volumen deutlich angehoben werden. Wünschenswert wären fünf bis sechs Milliarden Euro jährlich. Zugleich müssten diese Summen vermehrt als Zuschüsse ausgeschüttet werden, denn günstige Darlehen allein stellen in allgemeinen Niedrigzinszeiten keinen Anreiz dar. Ohnehin wirkt die Idee, einen – oft weiteren – Kredit aufnehmen zu müssen, auf viele Eigentümer und Eigentümerinnen abschreckend. Hier muss sich dringend etwas tun, wenn sich an den Häusern etwas tun soll.

Über all diese großen Maßnahmen und Summen darf allerdings nicht aus dem Blick geraten, dass es auch kleine, effektive Möglichkeiten gibt. Den einfachen, aber wirksamen richtigen Dreh am Thermostatventil zum Beispiel. Deshalb ist er Thema unserer aktuellen Kampagne „NRW macht den Thermostat-Check“. Auch diese kleinen Schritte gehören zur Wärmewende. Denn die Zeit läuft.