Seit dem Start der sogenannten Kaufprämie für Elektroautos vor gut acht Wochen sind lediglich 3027 Anträge für den Zuschuss eingegangen. Zum Vergleich: Allein im Juli wurden fast 280.000 PKW beim Kraftfahrtbundesamt zugelassen. Mich überrascht das geringe Interesse an der Prämie nicht. Der Grund liegt in der Infrastruktur, die im Hinblick auf Elektromobilität zu wünschen übrig lässt.

Um diesen Missstand zu beheben, hat die Gesellschaft des Kreises Coesfeld zur Förderung regenerativer Energien (GfC) ein bislang in Deutschland einmaliges Projekt auf den Weg gebracht. Unter dem Titel „eCOEmobil“ wird eine kreisweit einheitliche Ladeinfrastruktur aufgebaut. In jeder Kommune im Kreis wird es mindestens eine Ladesäule auf einem öffentlichen Parkplatz geben. Die Besonderheit: Die Säulen sind angebunden an Europas größtes Netz an Ladesäulen, sodass Kunden nur eine Ladekarte zum Abrechnen benötigen. Auch strebt die Gesellschaft eine Zusammenarbeit mit den Stadtwerken in der Region an, um das einheitliche Netz auszubauen und Kunden den Zugang zu einem einfachen und unkomplizierten Laden ihrer Fahrzeuge zu erleichtern.

Mein Heimatkreis hat damit ein zentrales Problem der Elektromobilität erkannt: Es ist für viele Menschen bislang zu umständlich, zu unkomfortabel ein Elektroauto zu fahren. Der Erfolg von Elektroautos steht und fällt mit der zur Verfügung stehenden Infrastruktur. Statt der Kaufprämie würden Sonderabschreibungen für Unternehmen, die Ladesäulen auf Mitarbeiter- und Kundenparkplätzen zur Verfügung stellen, der Elektromobilität viel mehr Schwung verleihen.

Damit das Elektroauto eines Tages eine echte Alternative zum Beispiel zum spritbetriebenen Zweitwagen einer Familie werden kann, braucht es flexible und kundenorientierte Lösungen. Mobilität ist und bleibt ein Ausdruck von Freiheit – es braucht Angebote, die sowohl für den Einzelnen als auch für die Umwelt ein Gewinn sind. Diese Angebote stehen und fallen mit der Infrastruktur.