Die UN-Klimakonferenz im Dezember 2015 in Paris hat die Notwendigkeit zur gemeinschaftlichen klimapolitischen Kehrtwende öffentlich und international nochmals deutlich untermauert. Ein entschlossenes Handeln ist nicht nur für das Erreichen der Klimaschutzziele, sondern insbesondere zum Wohle der Menschheit unabdingbar.

Im Fokus der medialen Diskussion zu komplexen Klimaschutzthemen wie Energie- und Mobilitätswende stehen oftmals große Ballungszentren, Energieversorger, Konzerne oder potenzielle Leitungstrassen. Dabei werden viele wegweisende Initiativen und Konzepte gerade auch in kleinen Kommunen und deren Ortschaften entwickelt. Die Umsetzung geeigneter Versorgungslösungen kann letztendlich hauptsächlich dezentral vor Ort stattfinden.

Ausgewählte Gemeinschaftsinitiativen erhalten Hilfestellung bei der Umsetzung ihrer Ideen

Wie können sich bürgerschaftliches Engagement, regionale Entwicklung und die Energiewende ergänzen? Diese Frage steht im Mittelpunkt der Praxisstudie „Dorf ist Energie(klug)“, die von 2014 bis Ende 2016 läuft. Das Projekt erforscht und begleitet – durch die Förderung des Umweltministeriums NRW, die Unterstützung der fünf regionbildenden Kreise sowie das Engagement der Volksbanken in Südwestfalen – Gemeinschaftsinitiativen und deren Projekte in der Region Südwestfalen.

Professionelle Beratung und Unterstützung schafft Klimaschutzmaßnahmen

Der Fokus des Projektes liegt dabei darauf, Klimaschutz durch bürgerschaftliches Engagement mehrwertebildend zu ergänzen und so auch regionale Entwicklung zu betreiben – zunächst durch „weiche“ Maßnahmen wie Beratung und Begleitung.

In den Dörfern werden die Bürger durch das Projektmanagement der Südwestfalen Agentur, die jeweiligen Kreishäuser, die regionalen KlimaNetzwerker der EnergieAgentur.NRW und Experten beraten. Sie selbst aber schaffen die Grundlagen: Projektentwicklung und -management, Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung. Der Wissenstransfer zwischen den vielen unterschiedlichen Akteuren muss organisiert werden, gute Beispiele müssen verbreitet, Aktivitäten gebündelt und ehrenamtliches Engagement aktiviert werden. Denn durch die Begleitung lernen die Dorfgemeinschaften das eigene Projekt, die eigenen Maßnahmen nachhaltig alleine zu entwickeln und weiter zu verfolgen. Diese Maßnahmen führen letztlich bei aktiver Gestaltung des Prozesses zu „harten“ Effekten wie beispielsweise regionale Wertschöpfung.

Die Projektideen waren und sind vielfältig: Sie reichen von Konzepten zu Nahwärmeprojekten, einem Energieverein, der sein eigenes E-Dorfauto per Carsharing betreibt, Gebäude-Sanierungskampagnen über Kleinwasserkraftanlagen, Lehr- und E-Ladestationen bis zu sozialen Innovationen wie KlimaCoaches oder Kinder- und Jugendbildungsmaßnahmen.

Projekt macht Erfahrungen transparent, Vernetzung der Akteure vor Ort verbessert

Viele Ideen sind bereits erfolgreich umgesetzt oder erprobt. Auch Maßnahmen mit längerem Planungsvorlauf stehen vor der Umsetzung. Durch die regionale Wertschöpfung und Teilhabe bieten sich nicht nur wirtschaftliche Chancen für die teilnehmenden Dörfer und Kommunen. Das Projekt hat die Vernetzung der unterstützenden Akteure und Organisationen verbessert. Erfahrungen werden transparent gemacht, damit andere Dörfer in Südwestfalen und NRW davon lernen können: Am Projektende wird ein Selbstevaluationstool als Leitfaden für alle Akteure und Interessierten, die ehrenamtliche Projekte planen und begleiten, zur Verfügung stehen. Zudem wird der Gesamtprozess wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Die gemachten Erfahrungen werden durch verschiedene Forschungsvorhaben von „CASI 2020“ über die Forschungsergebnisse des Wuppertal Instituts und vier Masterarbeiten wissenschaftlich aufgearbeitet.

Konsens: Klimaschutz und Ehrenamt brauchen Zeit und einen professionellen Begleiter, um die eigenen Klimaschutzpotenziale anzugehen. NRW hat vielfältige Beratungs- und Förderungsmöglichkeiten, die gebündelt und vereinfacht werden müssten, um den Kreisen, Kommunen und Bürgern ein Engagement attraktiver zu machen.

Akzeptanz und Beteiligung sind weitere Kernfaktoren welche durch Politik und deren Akteure gelebt werden müssen. Die Verwaltungen arbeiten oftmals innovativ und fachlich gut ausgebildet. Sie benötigen aber personelle Ressourcen und eine politische Legitimation.

Klimaschutz ist eine Notwendigkeit sowie eine enorme volkswirtschaftliche Chance für Politik, Unternehmen, Regionen, Kreise, Kommunen und letztlich einzelne Dörfer. Die vielen Überzeugungstäter und kleinen Initiativen vor Ort haben dies für sich verstanden.